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Dez 16

“RODAN” (1956) Review

Springen wir ein bisschen in der Zeit hin und her. Während ich das letzte mal Mothras ersten Leinwandauftritt von 1961 behandelte gehen wir nun zurück ins Jahr 1956 zum Debut des Riesenflugsauriers „Rodan“, der in seinem Heimatland als „Radon“ (kurz für Pte-RA-no-DON) bekannt ist. Auch dieses Kaiju aus Tohos Monsterraster wird eine hoffentlich große Rolle in „GODZILLA 2 – KING OF THE MONSTERS“, der Fortsetzung zum amerikansichen Godzillafilm von 2014 spielen. Darum sehen wir uns mal an, was Rodan in seinem Solofilm so getrieben hat, bevor er später an der Seite von Godzilla auftrat. Kommen wir zur Story:

rodan-reviewEs gibt einen Aufruhr in den unterirdischen Schächten einen Minendorfes. Einer der Minenarbeiter wird tief in der Mine aufgeschlitzt gefunden. Während noch spekuliert wird ob es sich um einen Mord unter den Kumpeln handelt wird Vorarbeiter Shigeru und dessen Verlobte Kiyo, die Schwester des Verstorbenen, von einem mannsgroßen Insekt namens Meganulon angegriffen. Trotz eines raschen Einschreitens der Polizei, kann man der gigantischen Kellerassel nicht Herr werden. Und als augenscheinlich mehr dieser Monster auftauchen wird versucht mit Hilfe des Militärs die Meganulon in der Mine zu töten. Dabei stürzt jedoch der Schacht ein und Shigeru wird verschüttet. Nicht viel später kommt es zu einem Erdbeben dem einige Sichtungen eines unbekannten Flugobjekts folgen. Das Flugobjekt bewegt sich mit Überschallgeschwindigkeit und die Kampfjets die versuchen sich dem UFO zu nähern kehren nicht mehr zurück. Shigero wird unterdessen wieder gefunden. Allerdings ist er schwer traumatisiert und leidet an Gedächtnisverlust. Erst als er ein Vogelnest sieht, kehrt sein Gedächtnis zurück und er erinnert sich daran, wie in er in den tiefen der Erde ein gigantisches Ei sah, ausdem ein monströses Vogelmonster schlüpfte. Die zahllosen Meganulon die sich ebenfalls in der Höhle tummeln dienen dem Monster lediglich als kleine Häppchen. Man muss kein Genie sein um zu kombinieren, dass es sich bei dem UFO um eben dieses Vogelmonster handelt: RODAN!

Der Grund, wieso ich mir diesen Streifen aus Japan importieren ließ, waren die sehr enttäuschenden deutschen DVD-Releases. Zum einen sind Qualität von Bild und Ton unterirdisch und zum anderen ist der Film um gute 20 Minuten gekürzt worden. Und das obwohl die Originalversion mit 82 Minuten sowieso schon ein knackig-kurzer Streifen ist. Nachdem ich mir beide Versionen zu Gemüte geführt habe, glaube ich sogar, dass die längere, japanische Version deutlich kurzweiliger ist. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt an der Lokalisierung ist, dass der Film im deutschen als „Rodan – Die fliegenden Monster von Osaka“ betitelt ist, obwohl im Film Osaka keine Rolle spielt – stattdessen spielen die großen Zerstörungsszenen in Fukuoka. Rodan erschien nur zwei Jahre nach dem ersten Godzillafilm und war das erste Toho-Kaiju nach Godzilla, dass seinen eigenen Film bekam. Es wurde auf das gleiche Produktionsteam gesetzt, dass auch schon Gojira zum Hit machte. Die Musik stammt erneut von Akira Ifukube, Ishiro Honda nahm wieder Platz auf dem Regiestuhl und Haruo Nakajima erhielt den undankbaren Job sich wieder in ein zentnerschweres Saurierkostüm zu quetschen.

rodan-deutsches-cover

Das deutsche Cover sieht nicht nur extrem billig aus, es zeigt auch noch einen Meganulon so, als wäre es das titelgebende Monster.

Diesmal war es wohl noch etwas unangenehmer. Da Rodan fliegt, gibt es einige Szenen in den Nakajima an Seilen herumgeschwungen wurde. Dabei stürzte er einmal aus einer Höhe von 7,5 Metern in einen flachen Pool – wenigstens wurde der Sturz von den paar Zentimetern Wasser und dem massigen Kostüm gepolstert. Als ob es nicht schon gereicht hätte, dass der Kerl sich in fast jedem seiner Filme mit unzähligen Feuerwerkskörpern bombardieren hat lassen. Die erwähnten Seile sind in diesen Film auch leider oftmals zu sehen. Dies lag daran, dass dies der erste derartige Farbfilm des Studios war und man erst in der Postproduktion erkannte, dass dadurch die Drähte um einiges deutlicher zu erkennen sind, wie auf schwarz-weiß-Film. Ein weiterer Special Effekt-Fauxpass sind die Meganulon. Generell habe ich es cool gefunden, dass hier, bevor Rodan ins Rampenlicht rückt, der Film eine kleine Bonusmonsterstory enthält, der sogar ein paar positiv an „Formicula“ erinnernde Szenen hat. Doch das unaufhörliche gequietsche der Megalunon nagt schnell an den Nerven des Zuschauers. Zudem sind die Kellerasselmonsterkostüme, mit ihren großen Augen und ungeschickt schwingenden Scherenarmen nicht sonderlich beängstigend. Damit hat es sich aber eigentlich mit meinen Kritikpunkten. Was das Genre und die Ära angeht aus der „RODAN“ stammt, sind die Effekte stark. Auch die Story ist ziemlich clever erzählt. Obwohl „Gedächtnisverlust“ ein eher klischeebehaftetes Stilmittel ist, ist es in Shigerus Fall sehr effektiv umgesetzt. Vor allem die Darstellung des gerade geschlüpften Rodans, der die eben noch so übermächtigen Meganulon wie Würmchen pickt, etabliert geschickt die Größe des Flugsaurier-Kaijus. Und wenn Rodan dann aufsteigt und allein durch überfliegen von Fahrzeugen und Häusern massiven Schaden anrichtet ist dies meisterlich in Szene gesetzt. Am kultigsten ist für mich der Moment, in dem Rodan leicht stolpernd mitten im Bahnhof der Stadt landet. Das Ende möchte ich nicht direkt vorwegnehmen, aber ich möchte sagen, dass, obwohl es etwas kitschig ist, es einen schön melancholischen Touch hinzufügt.

Mein Fazit: 7,5 von 10 seitwärts fliegenden Kampfjets

Rodan hat nicht den familienfreundlichen Aspekt von Mothra und ihm mangelt es ebenfalls an der Atmosphäre und Botschaft, die seinerzeit der erste Godzillafilm hatte, allerdings ist es trotzdem ein fantastischer Kaijufilm, der den Weg dafür ebnete, dass Toho sich darin versuchte neue Monster zu etablieren. Erst Jahre später sollte das Studio anfangen Crossoverfilme mit ihren Kaijus zu drehen. Als Kind lernte ich Rodan hauptsächlich als Kampfgefährte Godzillas aus den Filmen der 60er und 70er kennen. Seither wurde das Kaiju von Toho leider nur noch spärlich eingesetzt. Gerade darum freue ich mich, dass er in „Godzilla – King of the Monsters“ wieder auftaucht und ihm vielleicht so zu neuer Popularität verhilft.