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Sep 28

“ROGUE – IM FALSCHEN REVIER” (2007) Review

Wie regelmäßige Leser wissen habe ich eine Schwachstelle für sogenannte Creature-Features. Monster, Mutanten und riesige Tiere die auf Menschenjagd finde ich immer spitze – und da ich auch schon seit meiner Kindheit von Krokodilen fasziniert war, stehe ich auf Killerkrokodilfilme. Leider wurde ich jahrelang in den Irrglauben gelassen, dass „Lake Placid“ der beste Vertreter dieses Subgenres ist. Als ich mir diesen nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal ansah war ich enttäuscht vom angeblich besten Krokofilm und begann mit der Suche nach unbekannteren Perlen. Ich fand den fantastischen B-Movie „Alligator“ von 1980 und seine leider ziemlich miese Fortsetzung „Alligator II“ von 1991, aber nun war meine Jagd wieder erfolgreich. „Rogue“ von 2007 ist ein australischer Film und hat mir viel Spaß gemacht. Warum genau erzähl ich nach der Handlungszusammenfassung:

rogue-reviewGenervt von Hitze, Insekten und den von Fremden eher unfreundlich gesonnen Einwohnern nimmt der amerikanische Reisereporter Pete an einer Flussrundfahrt im australischen Northern Territory teil. Zumindest Kate, die das Boot lenkt und auch die Rolle des Tourgide übernimmt scheint sympatisch zu sein. Gerade als man wenden möchte und die Rückfahrt durch die wunderschönen, aber von Krokodilen bewohnten Flusswindungen antreten möchte sieht die Reisegruppe eine Leuchtrakete, die signalisiert dass jemand Hilfe benötigt. Zum missfallen der Touristen muss Kate ihren kleinen Kahn tief in den Nationalpark, fernab der üblichen Route führen. Damit betreten sie jedoch das Revier eines riesigen, aggressiven Salzwasserkrokodils, dass die Gruppe dazu zwingt Schutz auf einer Insel im Flusslauf zu suchen. Kurz nachdem sie jedoch das scheinbar rettende Ufer erreicht haben stellt die Gruppe fest, dass es sich um eine Gezeiteninsel handelt, die innerhalb der nächsten Stunden vollkommen überschwemmt werden wird.

„ROGUE – IM FALSCHEN REVIER“ beginnt mit bezaubernd schönen Landschaftsaufnahmen und zeigt seine Krokodile anfangs wie in einer Naturdoku – stark, gefährlich, jedoch auch auf eine archaische Art majestätisch, so dass man fast damit rechnet jeden Moment die Stimme von David Attenborough aus dem Off zu hören. Spätestens jedoch, wenn sich Pete, Kate und die anderen Bootspassagiere auf dem kleinen Eiland retten beginnt „ROGUE“ zu einem klaustrophobischen Thriller zu werden. Das Hauptkroko des Films ist mit seiner Länge von 10 Metern zwar gigantisch, aber da es tatsächlich Einzelexemplare gibt, die 7 Meter erreicht haben, wurde hier nicht so stark übertrieben wie in vergleichbaren Streifen – an sich ist „ROGUE“ also relativ bodenständig und kann sich dadurch auch durchgängig selbst ernst nehmen. Die Figuren im Film erfüllen alle ihren Zweck, ohne dass hier tiefer auf deren Background eingegangen wird. Motivationen und Beziehungen der Charaktere werden vage angedeutet, so dass man als Zuschauer ohne Probleme die Lücken füllen kann aber der Film nicht selbst von seinem eigentlichen Hauptthema ablenken muss um Kontext für seine Figuren zu schaffen. Trotzdem hätte man vielleicht den Cast um 1 oder 2 Personen schmälern können. Die Hauptfiguren Kate und Pete, gespielt von Radha Mitchell (bekannt aus der Videospielverfilmung „SILENT HILL“) und Michael Vartan funktionieren sehr gut miteinander. Die prominentesten Schauspieler des Streifens sind jedoch Sam Worthington, der kurz darauf seinen Durchbruch mit „AVATAR“ feierte, und die hier noch sehr junge Mia Wasikowska, die 2010 dann Titelrolle in „ALICE IM WUNDERLAND“ spielen sollte. Regie und Drehbuch von „ROGUE“ übernahm Greg McLean, der für Horrorfans vielleicht mehr Wellen mit seinen „WOLF CREEK“-Filmen schlug. McLean zeigt den dreckigen, martialischen Überlebenskampf der Tourigruppe auf spannende Weise. Er zeigt gut wie tödlich die Gewässer um das kleine Inselchen sind und versorgt einen immer wieder mit Szenen, die zeigen wie das rettende Land immer weiter vom Fluss verschlungen wird. Das darin lauernde Killerkrokodil zeigt sich anfangs nur spärlich, wie man es aus anderen (guten) Tierhorrorfilmen wie „DER WEISSE HAI“ kennt – wenn das Kroko jedoch auftaucht sieht es ziemlich gut aus. Die CGI-Effekte sind zwar nicht bahnbrechend, aber für das Budget gut umgesetzt. Später bekommt man dann auch noch eine schöne Animatronic zu sehen, wenn das Finale eingeläutet wird, dass in Sachen Klaustrophobie und Spannung noch ein paar Schippen auflegt.

Mein Fazit: 8 von 10 Sternchentatoos

Wer sich auch nur ansatzweise für Tierhorrorfilme im allgemeinen, oder Krokodilfilme im speziellen interessiert ist, dem sei „ROGUE – IM FALSCHEN REVIER“ wärmstens empfohlen. Der Film ging bei seinem Erscheinen 2007 trotz einem 100%-Rating auf Rottentomatoes.com an den Kinokassen förmlich unter spielte nur einen Bruchteil seinen Budget wieder ein. Dadurch ist der Streifen vielleicht etwas ins obskurere Gewässer abgetaucht, doch dort lauert der Film auf neue Opfer, die packen und zu seinen Fans hinzufügen kann.