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Jan 07

Rückblick auf das Kinojahr 2016

Normalerweise schreibe ich Ende des Jahres meine Top- und Flopfilme. Doch für 2016 werde ich die Sache etwas anders aufziehen müssen. Ich habe nämlich kaum Flopfilme! Das liegt allerdings nicht daran, dass der Qualitätsdurchschnitt der Hollywoodproduktionen sich plötzlich monumental erhöht hätte. Ich habe mich eher entschlossen etwas selektiver ins Kino zu gehen. Ich erkläre euch was es damit auf sich hat:

Generell bin ich ja jemand, der sich auch gerne mal einen schlechten Film reinzieht. Ich schaue mir beispielsweise gerne Kalkoves SchleFaz auf Tele5 an. Aber auch selbstständig stecke ich meine Nase in den einen oder anderen cineastischen Misthaufen. Es macht ja trotzdem irgendwie Spaß über schlechte Filme zu lästern und diese auf die Schippe zu nehmen. Bei großen, neuen Blockbusterproduktionen, die einfach schlecht sind, empfinde ich weniger Spaß. Da geht es mir mehr darüber, dass ich mitreden kann. Ich meine, ich schreibe hier auf meiner Homepage fast ausschließlich über Filme – schlechte, sowie gute. Wenn also ein Fortsetzung oder soetwas zu einem bekannten Franchise ins Kino kommt, möchte ich, wenn möglich gleich am ersten Tag reinstürmen und ihn mir ansehen, damit ich mir selbst eine Meinung darüber bilden kann und auch mitplaudern kann. Das kann bestimmt nicht jeder nachvollziehen. Um es mit einer Sportmetapher zu sagen: Ich schaue mir eben auch ein Fussballspiel an, wenn ich davon ausgehe, dass meine Mannschaft verliert – alleine schon um mit den Kumpels darüber diskutieren zu können.

2016 musste ich jedoch hier einen Schlussstrich ziehen. Alles andere schadet den Filmen, der Filmindustrie, den Filmemachern und nicht zuletzt auch meinen Geldbeutel. Wenn man ins Kino geht, dann kauft man prinzipiell ein Produkt. Durch den Kauf einer Kinokarte stimmt man ab, welche Filme und Filmgenres eine Zukunft haben. Darum ist es wichtig abzuwiegen ob mann bestimmte Filme auf diese Art unterstützen will. Für einen Ghostbusters 3 mit Dan Ankroyd würde ich sofort anstehen, aber wenn man ein Remake macht, sich aber auf den Namen ausruht und den Film nur mit lahmen Gags bewirbt, dann will ich das nicht unterstützen (Was ich bereits HIER erläuterte). Und so ging es mir mit einigen Filmen. Suicide Squad schien am Anfang recht interessant zu wirken. Doch die ersten Trailer waren ernüchternd. Im Internet feierte man die mit Queen unterlegten Trailer, doch unterm Strich waren dies nur Musikvideos. Was ich sah, war eine Margot Robbie, die im Mittelpunkt stand, weil sie heiß aussieht. Das kann ich schon mal nicht ab, weil die Figur der Harley Quinn damit endgültig die Wandlung vom ursprünglich relativ komplexen Charakter aus einer Zeichentrickserie zum schlichten Eyecandy durchführte. Letztendlich war ich vor Kinostart überzeugt, dass Suicide Squad nur Warner Bros versuch ist so etwas ähnliches wie Guardians of the Galaxy zu drehen. Ein Haufen obskurer Charaktere, die eigentlich keine Helden sind, müssen zusammenhalten um ein großes Übel aufzuhalten, während Klassikrock im Hintergrund läuft. Das Warner Bros seinen Film über obskurere Chraktere hauptsächlich mit dem bekanntesten Comicbösewicht aller Zeiten bewarb, obwohl dieser keine tragende Rolle spielt und dass die Hauptfigur des Films die nuttig gekleidete Freundin des bekanntesten Comicbösewichts aller Zeiten ist, zeigte mir, dass die Filmemacher selbst kein großes Vertrauen in ihren Film hatten. Und es geht so weiter. Die Trailer für den neuen X-Men Film sahen nach dem aus, was ich schon dutzende male gesehen hatte, also sparte ich mir den Kinobesuch. Bei Videospielverfilmungen kommt meist nur Mist raus, also habe ich die ersten Kritiken für Warcraft und Assassins Creed abgewartet. Bei beiden Filmen wurde zwar im Vorfeld spekuliert, ob diese endlich den Bann brechen könnten, dass alle Verfilmungen von Games mies sind, aber anscheinend haben sie das nicht geschafft. Über Warcraft hat man im nachhinen kaum etwas gehört und Assassins Creed wird eigentlich von jeden Kritiker auseinandergenommen. Und wer bitteschön hat geglaubt, dass irgendjemand eine Fortsetzung von Indipendence Day sehen will? Das Jahr war voll mit Blockbustern, die die gleichen 4 Probleme haben:

1. sie haben bereits einen großen Namen, ruhen sich aber zu stark darauf aus.

2. sie versuchen mit aller Gewalt ein Cinematic Universe aus dem Stand zu gebären

3. Es wird viel zu viel Geld in sie hineingesteckt und

4. Weil das Studio so viel Geld in sie hineinsteckt wird versucht sie so massentauglich wie möglich zu machen, was oft dazu führt, dass man im letzten Moment noch die die Ecken und Kanten wegbügelt.

Das ist alles nichts neues, aber diese Jahr schien es richtig extrem zu werden. Die einzigen, die immer wieder gute Blockbuster raushauen sind Disney. Die Marvel- und Star Warsfilme sind nicht ohne Grund so erfolgreich. Es wird sich nicht auf dem Namen ausgeruht, sondern immer wieder versucht die Messlatte höher zu legen und einfach Unterhaltsame Filme gedreht – das klappt nicht immer zu 100%, aber meist ist es besser als das was die anderen Studios versuchen. Damit kommen wir zu meinen Lieblingsfilmen von 2016, in keiner besonderen Reihenfolge. Allerdings möchte ich anmerken, dass ich hier nur Filme aufliste, für die ich auch bereits eine Review geschrieben habe. Es gibt bestimmt noch eine Menge anderer klasse Streifen von 2016 (z.B. The VVitch), aber ich bin leider nicht omnipotent was Filme ansehen und Reviews schreiben angeht ;)

Captain America: Civil War
Wie eben gesagt: Disney hat es mit den Blockbustern drauf. Anders als Batman v Superman, der nur Action und bedeutungsschwangeres böses in die Camera starren war, lieferte dieses Superheldenmatch ordentlich ab. Charaktere mit unterschiedlichen Ideologien gerieten in einen Konflikt, es gab grandiose Action, etwas Witz, aber auch eine Menge Drama. Bam! Einer von Marvels besten Filmen bisher, der das aufgebaute Cinematic Universe so nutzt, wie es sich gehört.

Rogue One: A Star Wars Story
Bestimmt kein Geniestreich, aber auch bei Star Wars punktet Disney wieder. Rogur One hat eine der coolsten Darth Vader Szenen, die beste Raumschlacht seit Rückkehr der Jediritter und schafft es endlich die Imperiale Kontrukteurskunst wieder ins rechte Licht zu rücken!

10 Cloverfield Lane
Okay, die ersten beiden waren die großen Produktionen in die massig Geld gesteckt wurde und die darum wohl auch die erfolgreichsten Filme des Jahres sein werden, die nächsten drei sind allerdings mit deutlich weniger Asche ausgekommen, und dass ist heutzutage wirklich lobenswert. Wie ich bestimmt schon das eine oder andere mal schrieb, werden Hollywoodproduktionen immer größer und größer, was sie immer uninspirierter macht. Doch es gibt sie noch, die Filme, die mit einem moderaten Budget gedreht werden und sich darum auch etwas mehr trauen dürfen. 10 Cloverfield Lane ist ein bedrückendes Kammerspiel mit guten Schauspielern und einer menge Spannung!

Arrival
Dass das zusammentreffen mit Aliens nicht immer sofort zum Krieg der Welten ausarten muss zeigt Arrival, ein cleverer Film über Kommunikation. Auch hier wurde mit gar nicht sooo viel Geld gearbeitet. Ein paar gute Schauspieler und eine interessante Geschichte, die gut erzählt wird reichen tatsächlich aus. Regisseur Denis Villeneuve ist nun im Gespräch eine neue Verfilmung vom Science-Fiction-Epos Dune zu inszenieren. Zudem erscheint noch 2017 noch eine Fortsetzung zu Blade Runner, bei der er ebenfalls Regie führte. Die Fortsetzung zu Blade Runner hat übrigens ein R-Rating erhalten, sprich er ist “ab 18”. Das ist für einen solchen Film eigentlich nicht normal, naja, das war nicht normal, bis….

Deadpool
bis Deadpool erschien und den Leuten in Hollywood bewies, dass man mit einem Film den das jugendliche Publikum nicht sehen darf trotzdem ordentlich Kohle verdienen kann, wenn man den Fans eben das gibt, was sie wollen! Der Film Deadpool war genau so wie ein Film über Deadpool sein sollte. Er enthielt die Gewalt, den oftmals grenzwertigen Humor und die bösen Seitenhiebe, die Deadpool eben ausmachen. Vielleicht lernt Hollywood daraus und achtet in Zukunft vielleicht darauf, dass sie beim Adaptieren eines Materials auch berücksichtigen nicht das auf der Strecke zu lassen, was eben jene Vorlage so attraktiv macht.

Damit habe ich mich ordentlich ausgekotzt, was ich am Kinojahr 2016 schlecht fand und gelobt, was ich mochte. Wenn wir Glück haben, wird Warner Bros und DC herausfinden, was sie Falsch machen und ihren Kurs korrigieren. Vielleicht werden die anderen Studios sich bei der nächsten Filmproduktion eher darauf konzentrieren einen richtig starken Film abzuliefern und nicht versuchen ein Filmuniversum zu schaffen, nach dem keiner verlangt. Vielleicht lernt Hollywood, dass sie die Bücher, Videospiele und Comics, die sie auf die Leinwand bringen wollen zuerst durch die Augen der Fans sehen müssen um ein Produkt zu schaffen, dass die Fans auch annehmen werden. Und vielleicht wird man wieder eher dazu zurückgehen kleinere Filme zu drehen, die nicht poliert und auf Massentauglichkeit getrimmt werden müssen. Denn egal wie gerne ich schlechte Filme ansehe um mich über diese lustig zu machen – Ein guter Film ist mir trotzdem 100 mal lieber!

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