«

»

Jul 22

„SPIDER-MAN: HOMECOMING“ Review

2016 haben wir in „Captain America: Civil War“ unseren ersten Vorgeschmack auf den neuen Spider-Man bekommen. Nun werden aber Nägel mit Köpfen gemacht und der Netzschwinger bekommt seinen eigenen Film. Dies ist also Peter Parkers erstes Solo-Abenteuer innerhalb des Marvel Cinematic Universe, aber bereits das dritte mal innerhalb von nur 15 Jahren, dass eine Spider-Man Kinofilmreihe gestartet wird. Kann der Umstand, dass nun endlich Marvel selbst ihre profitabelste Figur auf die Leinwand bringt überzeugen, oder sollten wir uns wieder ins Jahr 2002 zu Tobey Maguire zurückwünschen? Das kläre ich nach meiner weitgehend spoilerfreien Plotzusammenfassung:

vultureAdrian Toomes ist ein normaler Typ, der eine kleine Firma leitet, die damit beauftragt kurz nach der Handlung von „The Avengers“ die Überreste der Alienschlacht aufzuräumen. Allerdings wird ihm, kurz nachdem er ordentlich Investiert hat um den Auftrag zu schaffen, der Deal vor der Nase weggeschnappt. Da Toomes verzweifelt ist und sowohl er als auch seine Angestellten vor dem Ende stehen würden, entscheidet er sich auf die kriminelle Schiene zu wechseln und Geld mit all dem Sci-Fi-Gerümpel, dass nach den obligatorischen Endkämpfen im Marveluniversum liegen bleibt Geld zu verdienen. Spulen wir vor in die Gegenwart, in der der junge Peter Parker immer euphorisch von seinen ersten großen, öffentlichen Auftritt, dem Civil War Kampf auf dem Leipziger Flughafen, ist. Ausgestattet mit dem von Iron Man Tony Stark kreierten Anzug möchte sich Peter als echter Superheld beweisen. Tony hat Peter darum gebeten erstmal die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu bleiben und den kleinen Leuten zu helfen. Die großen Geschichten soll er doch lieber den großen Jungs, also den Avengers überlassen. Wie für Spider-Man üblich fällt es ihm jedoch schwer, sein normales Teenagerleben mit dem eines Superhelden auszubalancieren, auch wenn er nur Fahrraddieben das Handwerk legt und alten Frauen den Weg weist. Was Peter aber am meisten zu schaffen macht ist, das fast gänzlich fehlende Feedback seines Idols und Mentors Tony Stark und dass er sich von ihm nicht ernst genommen und fühlt. Zufällig stößt er dann auf ein paar Ganoven, die ungewöhnlich futuristische Waffen besitzen und beschließt dem auf den Grund zu gehen.

 

ganke

Ned ist definitiv Ganke

Spider-Man: Homecoming macht einige Dinge sehr sehr schlau. Marvel war sich beispielsweise überaus bewusst, dass es sich hier um das zweite Reboot der Reihe handelt und dass es bereits 5 Filme über Spider-Man gibt, die vermutlich die meisten der Kinogänger gesehen haben. Daraufhin wurde eine Liste von Sachen erstellt, die wir bereits oft genug gesehen haben und hier großzügig Übersprungen werden: Peter wird von der Spinne gebissen – weiß jeder. Onkel Ben ist gestorben – ja klar. Peters neue Vaterfigur wird durch ein missglücktes Experiment zum schizophrenen Antagonisten des Films – gab es schon 3 mal. Spider-Man posiert vor amerikanischen Flagge – gähn. Statt all dies zu wiederholen suchte man einen neuen Ansatz für Spidey, der nicht nur der Figur etwas frischen Wind verpasst, sondern auch eine andere Art von Geschichte erzählt wie die übrigen Filme des MCU. Es war wohl die Idee von Marvelchef Kevin Feige die 80er Jahre Teeniefilme von John Hughes als Blaupause für Peter Parkers Privatleben zu nutzen. Eine Entscheidung die den Film für mich sehr ansprechend macht.Vielleicht wird man es von mir als Horrorfan nicht unbedingt erwarten, aber ich glaube ich habe bisher keinen Film auf Netfilx so oft angesehen wie „The Breakfast Club“. Filme wie „Ferris macht blau“ und „Sixteen Candles“, die diesen natürlichen Teenie-Charme ausstrahlen legten also das Fundament auf das die Performance der jugendlichen Schauspieler aufbauen soll. Hauptdarsteller Tom Holland schafft es, auch durch dieses Umfeld besser als alle seine Vorgänger in die Rolle eines unsicheren Teenagers zu schlüpfen und den nerdigen und unbeholfenen Peter Parker so darzustellen wie er von Stan Lee und Steve Ditko ihrer Zeit erschaffen wurde. Etwas moderneren Ursprungs hat hingegen Peters bester Kumpel Ned, der eindeutig die Filmversion von Ganke aus den Ultimate Spider-Man Comics ist. Ned, sowie das übrige Highschool Ensemble schlagen meiner Meinung nach einen schönen Spagat zwischen den üblichen Teenie-Stereotypen und den Comicvorlagen. Spider-Man: Homecoming als Coming-of-Age-Geschichte aufzuziehen funktioniert also schon mal grandios und passt wie Arsch auf Eimer.

 

spider-kram

Kleiner Einblick in meine Spider-Man-Sammlung. Nicht abgebildet sind die unzähligen Comics, die ich digital gelesen habe.

Ein weiterer meiner Lieblingsaspekte des Films ist, dass seine Handlung und Konflikte klein und persönlich sind verglichen mit den anderen MCU-Filmen oder bisherigen Spider-Man Adaptionen. Es geht nicht darum die ganze Welt oder ganz New York zu retten. Dies passt viel besser zum alten Spidey, dessen Bösewichte oft in eher „normale“ Gaunereien verwickelt sind, oder eine persönliche Vendetta gegen Spider-Man führen. Und da wären wir auch schon beim geheimen Star des Films: Dem Bösewicht Adrian Toomes aka The Vulture, gespielt von Michael Keaton. Auch hier gilt, dass einem präsentiert wird, was es so bisher in keinen Spider-Man-Film und relativ wenig Superheldenfilmen gab. Toomes ist ein Normalo, der aus verständlichen Gründen vom rechten Weg abkommt. Man fühlt mit ihm mit und versteht wieso er tut, was er eben tut – und das macht einen guten Bösewicht aus. Keaton als Toomes bricht den Fluch der Marvelfilme, denen es (abgesehen von Loki) immer an einem klasse Wiedersacher fehlt. Keaton ist einer der besten Superbösewichte, die ich seit langer Zeit im Kino gesehen habe – und dass es sich dabei um den „Geier“ handelt überrascht mich um so mehr. Das einzige, was Tooms als Sci-Fi-Waffen-dealenden Bösewicht noch mehr aufgewertet hätte wäre, wenn irgendwann im Film Verbindungen zum Kingpin etabliert worden wären. Ein Crossover mit den Figuren der Marvel-Netflixserien wäre das Sahnehäubchen gewesen. Doch auch ohne Dare Devil oder Punisher fügt sich Homecoming so gut in Marvels Filmuniversum wie nur wenige Filme. Tooms Hintergrundgeschichte, die Auftritte von Iron Man und die ganze Welt um Peter Paker fügt sich in das MCU wie ein Puzzleteil. Es zeigt sich, erneut wie gut ihr Cinematic Universe funktioniert und die einzelnen Filme eher bereichert als sie zu belasten, wie es so oft bei anderen Filmfranchises der Fall ist, die versuchen Marvels Erfolg zu kopieren.

Mein Fazit: 8 von 10 LEGO-Todessternen

Anders ist besser war wohl das Motto von Marvel. Und das hat sich ausgezahlt. „Spider-Man: Homecoming“ ist einer der besten, vielleicht sogar der beste Spider-Man Film. Es ist so als hätte Marvel meine Wunschliste für ihren neuen Spider-Man-Film gelesen. Mir fällt eigentlich nicht wirklich etwas negatives ein, dass ich über den Film sagen könnte, außer dass die Wartezeit für eine Fortsetzung viel zu lange sein wird.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>