«

»

Sep 25

“SUSPIRIA” (1977) Review

Suspiria gilt als einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Ein Kultfilm des Filmemachers Dario Argento, der in seiner italienischen Heimat an den Kinokassen sogar gegen Stephen Spielbergs „Der Weiße Hai“ bestand. Zur Zeit tümmelt sich auf den Filmfestivals ein Remake von „Suspiria“ von Luca Guadagnino herum, also wird es höchste Eisenbahn, dass ich für euch das Original unter die Lupe nehme!

suspiria-reviewIm Film folgt man Suzy Banyon, einer jungen Tänzerin, die einen begehrten Platz in einer renommierten deutschen Tanzschule in Freiburg bekommt. Bereits ihre Ankunft an der Schule ist mit seltsamen Begebenheiten verbunden: Zuerst stürmt eine gehetzt wirkende, junge Dame aus den prächtigen Pforten des Internats und im Anschluss möchte trotz ihres angekündigten Eintreffens und dem massiven Regenschauer niemand Suzy hereinlassen. Am nächsten Tag wird Suzy zwar der Zutritt in die Schule gewährt, jedoch erfährt sie, dass das Mädchen, dass sie am Vortag aus der Schule kommen sah bestialisch ermordet wurde. Es liegt ein Mysterium auf der Ballettschule und Suzy stolpert gerade in dieses blutige Geheimnis hinein.

 

„Suspiria“ ist ein genialer Film – allerdings ist er sehr unkonventionell und darum nichts für Jedermann. Dieser Film punktet nicht durch besonders gerissene Dialoge, facettenreiche Charaktere oder eine originelle Story. Die Narrative finde ich teilweise recht stümperhaft, denn die meisten essenziellen Informationen werden Hauptfigur Suzy und somit auch dem Zuschauer auf unspektakuläre weise in den Schoß geworfen. Das Finale kommt darum auch sehr abrupt daher und sehr viele Dinge bleiben ungeklärt oder ergeben wenig bis keinen Sinn. So schlimm ist dies jedoch nicht. „Suspiria“ ist eher ein audiovisuelles Gruselerlebnis als eine kohärente Geschichte. Dario Argentos Werk funktioniert eher in einer Art Traumlogik und wird deshalb nicht selten mit „Alice im Wunderland“ verglichen. Doch Suzys Abenteuer ist um einiges fürchterlicher als das von Alice. Aber legen wir mal alle Karten auf den Tisch: Es gibt drei Aspekte, wegen denen „Suspiria“ nach über 40 Jahren immer noch ein relevanter Film ist: 1. Die krassen, farbenfrohen und experimentellen Bilder, 2. Die sehr plastische und extreme Gewaltdarstellung, und 3. Der bizarre Soundtrack der Progressiv-Rockband Goblin. Diese drei Elemente erschaffen eine beunruhigende und gruselige Atmosphäre, die man nur in wenigen Filmen findet. Argentos Sets sind in knalligen Farben gestrichen und er hat keine Hemmungen eine komplette Szene knallrot zu beleuchten. Dies schafft eine Traum gleiche Ästhetik, die durch den exzentrischen Soundtrack voller wirrer Töne und gruseligen Flüstern nochmal unterstrichen wird. Dann ist da noch der Gore in „Suspiria“. Die extreme Gewaltdarstellung und eine oder andere Ekelszene können zu viel für ein schwaches Gemüt sein, aber sie passen zur schockierenden und bizarren Inszenierung des Films. Das knallrote Blut, die dutzenden Messerstiche oder der schiere Irrwitz eines Raumes voller NATO-Draht sind so übertrieben, dass man schon fast an Filme der Saw-Reihe denken muss, allerdings ist in „Suspiria“ die Darstellung auf eine verstörende Weise „schön“ und muss wohl auch eine starke Inspiration für “The Neon Demon” gewesen sein, der einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre war.

Mein Fazit: 8 von 10 Gummifledermäusen im Rotlichtbezirk

„Suspiria“ ist wohl der bekannteste Film des italienischen Giallo-Genres und dessen Posterchilds Dario Argento. Zugunsten einer farbenfroh-verstörenden Alptraumszenerie wirft der Streifen die Logik über Bord. Ich hätte zwar gerne beides in einem Paket, aber da die Atmosphäre des Films so bizarr und packend ist und die Kinematografie so faszinierend und schön ist, blicke ich gern darüber hinweg, dass einige andere Dinge nicht ganz so Rund laufen. Außerdem gibt es eine Szene mit Schuhplattlern und das bereichert jeden Film ungemein!