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Jul 10

„SUSPIRIA“ (2018) Review

Was Remakes von Klassikern und Kultfilmen angeht, wir inzwischen alle Vorsichtig geworden sein. Nur weil da auf dem Poster der Name von einem Film steht, heißt das noch nicht, dass man es mit einem genau so guten Film wie das Original zu tun hat. Darum war ich zwar interessiert, aber auch sehr skeptisch, als bekannt wurde, dass ein Remake zu Dario Argentos „Suspiria“ in der Mache ist und ich habe mir absichtlich etwas Zeit gelassen, bis ich mir dieses Remake mal zu Gemüte führte. Nun war es aber so weit und ich kann euch meine Meinung kund tun – zuerst jedoch der Klappentext, damit ihr ungefähr wisst worum es geht:

suspiria-remake-reviewWir begleiten Susie Bannion, eine Amerikanerin, die in den 70ern an eine Tanzschule in Berlin geht. Die Lehrerin Madame Blanc, die das Ensamble leitet erkennt sofort Susies exorbitantes Talent. Doch es gehen auch unheimliche Dinge an der Tanzschule vor, eine der ehemaligen Schülerinnen wurde vollkommen verstört und verschwand schließlich, was ihren Psychologen Dr. Josef Klemperer dazu bringt Nachforschungen anzustellen. Auch die Tänzerin Sara, die sich mit Susie anfreundet kriegt spitz, dass die Lehrerinnen ihrer Schule ein altes, böses Geheimnis hüten und versucht es ebenfalls zu lösen.

 

Das Remake von Luca Guadagnino ist ein interessanter Gegenentwurf zum Original, denn vom ersten Moment an wird klar, dass Luca einen komplett anderen Look für seinen Film gewählt hat. Anders als das Argentos Original, dass mit grellen Farben und einen gruselig dröhnenden Soundtrack punktete sieht hier alles grau und bleich aus während die Musik ruhig und stimmungsvoll bleibt. Und da das Original ein so extravaganter Film ist bleibt mir nichts anderes übrig als weiter Vergleiche zu ziehen. Die Story von Argentos Film von 77 war auf dem Papier keine große Offenbarung, viel mehr war es die surreale Inszenierung, die den Film wie einen Alptraum wirken ließ, die den Film zu etwas besonderen machte. Das Remake, dass zwar auch seine sehr intensiven Momente hat, wird auf eher konventionelle Weise erzählt. Der ursprüngliche Twist des Originals wird relativ früh aufgedeckt und aufgrund dessen eine etwas andere Handlung erzählt, die dann auch neue Twists mit sich bringt. Besonders überrascht von den finalen Enthüllungen des Streifens war ich dann jedoch nicht. Man hat ja auch genügend Zeit sich Gedanken zu machen wie sich die Geschichte entwickelt, da sich Guadagnino satte zweieinhalb Stunden nimmt und diese mit vielen langen Abschnitten füllt, sowie auch einen besonderen Fokus auf ausschweifende Tanzszenen legt. Man kann den Film eher als einen „Slow Burn“ bezeichnen, so wie die klassischen 70er-Jahre Gruselfilme „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ oder „Rosemary`s Baby“. Ein anderer auffälliger Bestandteil des Remakes ist, dass es eingepackt in deutsche Geschichte ist. So ist der Psychologe Dr. Klemperer noch gezeichnet von dem Verlust seiner Frau im zweiten Weltkrieg, die Tanzschule befindet sich direkt an der Berliner Mauer und oft wird auf die Machenschaften der RAF hingewiesen – dies ist alles zwar stets Präsent, doch es wird dadurch nicht direkt die Haupthandlung beeinflusst. Während die von Dakota Johnson gespielte Susie in dieser Version als etwas unnahbares Naturtalent bei weitem nicht so sympatisch wirkt, trägt Schauspielerin Tilda Swinton, die sowohl die Madame Blanc als auch den Psychologen Dr. Klemperer (unter dem Pseudonym Lutz Ebersdorf) mimt, den Film mit ihren Nebenfiguren. Wieso man Swinton einen alten Mann als Doppelrolle spielt, ist zwar Fraghaft (vermutlich geht es einfach nur um das Gimmick), aber so spielt sie gleichzeitig die zwei interessantesten Charaktere des Films.

Mein Fazit: 6 von 10 Spiegelsälen

Während das Original von Suspiria eine audiovisuelle Erfahrung ist, dass das Medium Film in ein paar Richtungen ausreizt, ist das Remake hingegen ein sehr kompetent gemachter, langsam brodelnder Gruselthriller. Tilda Swinton kann ihre schauspielerischen Muskeln spielen lassen und es ist schön, dass die eher rudimentäre Story von 77 nochmal etwas detaillierter aufgerollt wird. Ohne Zweifel ein faszinierender Streifen, aber mir gefällt das bizarre Original bei weitem besser. Ich empfehle auch allen, die bisher noch keinen der beiden Streifen gesehen hat eher mit dem Film von 1977 einzusteigen, da es ein wesentlich kürzerer und intensiverer Film ist.