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Mrz 16

„THE RITUAL“ (2018) Review

Merkt ihr auch, wie ich immer öfters Reviews zu Filmen schreibe, die nicht im Kino laufen, sondern direkt auf Netflix veröffentlicht werden? Das hat zwei Gründe: Erstens zeigt Netflix einige Produktionen die deutlich interessanter klingen als die aktuelle Kinokost und zweitens ist das Ansehen auf der Couch natürlich deutlich bequemer und günstiger. Das Angebot von Netflix‘ Originalfilmen hört sich zwar, wie gesagt, immer interessant an, aber um ehrlich zu sein habe ich noch keinen richtigen Kracher vom Streaminganbieter gesichtet. Vielleicht wird aber „The Ritual“ dies ändern. Dieser Film bezaubert seit 9. Februar 2018 Horror- und Genrefilmfreunde und vielleicht schafft er dies auch bei mir. Sehen wir uns also mal kurz die grobe Handlung des Films an:

the-ritual-2018Nach dem tragischen Tod ihres gemeinsamen Kumpels Rob beschließen die Freunde Phil, Hutch, Dom und Luke einen Wandertrip in Schweden zu machen. Dies wär genau die Art von Urlaub, die ihr verstorbener Freund Rob gerne mit ihnen gemacht hätte, und um ihn zu ehren wollen sie durch die nordische Wildnis wandern. Weit abseits jeglicher Siedlung, tief in der rauen, jedoch beeindruckenden Landschaft Schwedens verletzt sich Dom jedoch am Knie. Um schneller die nächste Station ihrer Wanderung zu erreichen beschließt die Gruppe eine Abkürzung quer durch die Wälder zu nehmen. Eine folgenschwere Entscheidung, denn anscheinend hausen in den Wäldern uralte Schrecken und so manch heidnischer Glaube scheint hier noch immer tiefe Relevanz zu haben.

„The Ritual“ ist das Spielfilmdebut des Regisseurs David Bruckner und wurde von Andy Serkis’ Firma Imaginarium Productions produziert. Bruckner adaptiert darin den Roman „Im tiefen Wald“ von Adam Nevill. Bereits 2017 wurde der Film auf dem Toronto Film Festival gezeigt und dort sicherte sich dann auch Netfilx die weltweiten Veröffentlichungsrechte. Und damit hat Netflix einen wahrlich guten Fang gemacht. Die Prämisse von „The Ritual“ hat mich anfangs stark an den Horrorfilm „The Decent – Abgrund des Grauens“ erinnert. In beiden geht es um eine Gruppe von Freunden (in „The Ritual“ alle Männer und in „The Decent“ alle Frauen) die fern der Zivilisation einen abenteuerlichen Urlaub machen, wobei die Hauptfigur noch stark psychisch an einem menschlichen Verlust zu knabbern hat. Da man sich aber in „The Ritual“ im Wald verirrt hinkt ein Vergleich mit „The Blairwitch Project“ auch nicht. Doch „The Ritual“ gefällt mir wesentlich besser als Blairwitch. Bruckners Film kommt ohne lästige Jumpscares und übertriebene Splattereffekte aus, auf die sich so viele andere Horrorstreifen verlassen. Stattdessen wird in „The Ritual“ auf beängstigende Stille unterbrochen von vereinzelten unheimlichen Geräuschen aus dem Unterholz gesetzt. Isolation und Paranoia suchen die Figuren im Film heim und dies färbt schön auf den Zuschauer ab. Auch wenn der Wald noch so lichtdurchflutet und schön dasteht, schafft es „The Ritual“ ihn bedrohlich und unheimlich wirken zu lassen. Erst wenn er den psychologischen Horror ausgereizt hat, fängt der Streifen an etwas derber und fantastischer zu werden. Da man fast den ganzen Film ausschließlich mit der kleinen Gruppe Wanderern verbringt ist es wichtig, dass die Figuren glaubhaft sind und deren Gruppendynamik überzeugend rüber kommt. Auch hier wurde zu großen Teilen auf die alten Klischees verzichtet. Die Jungs stehen kurz vor der Midlifecrisis und trauern um ihren besten Freund. Hauptcharakter Luke wird von schweren Schuldgefühlen und lebhaften Alpträumen geplagt und die Frage ob er den verstorbenen Rob hätte retten können nagt am Zusammenhalt der Clique. Die verstörenden und schrecklichen Ereignisse die im Wald stattfinden wirken darauf wie ein Katalysator. Dies alles bildet ein solides Fundament und charakterisiert schnell und wirksam die komplette Gruppe, wovon der folgende Horrortrip dann maßgeblich profitiert. Zusammenfassend ist „The Ritual“ ein durchgängig unterhaltsamer und kompetenter Mystery-Gruselfilm.

Mein Fazit: 7,5 von 10 Geweihe statt Händen

Nach alle den noch jungen Enttäuschungen auf Netflix wie „Cloverfield Paradox“ und „Bright“ ist „The Ritual“ ein Film, den ich allen Gruselfans besten Gewissens empfehlen kann.

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