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Feb 16

“THE SHAPE OF WATER” (2018) Review

Ich mag Guillermo del Toro, ich mag die alten Universal Monster wie den Kiemenmensch und ich steh auf die Ästhetik der 50s und 60s. Wieso hat es dann jedoch so lange gedauert bis ich mir „The Shape of Water“ angesehen habe? Irgendwie fand ich damals keine Zeit ins Kino zu gehen, doch nun habe ich endlich den Streifen nachgeholt und kann euch berichten was ich von der mit Preisen überschütteten Fisch-Mensch-Romanze halte! Doch – ihr kennt mein Format – zuerst einen kurzen Blick auf die Handlung:

the-shape-of-waterElisa ist eine allein lebende Frau. Seit ihrer Kindheit schon ist sie wegen einer Verletzung stumm und kann nur mit Zeichensprache kommunizieren. Neben ihren Nachbarn Giles ist ihre Arbeitskollegin Zelda ihre einzige Freundin. Gemeinsam arbeiten sie während der Hochphase des Kalten Krieges als Reinigungskräfte in einem Forschungsbunker der US-Regierung. Eines Tages wird in einem Tank ein seltsames Lebewesen eingeliefert, dass wie eine Kreuzung aus Mensch und Fisch wirkt. Der Kiemenmensch wird vom skrupellosen Sicherheitschef Strickland als Karrieresprungbrett angesehen – ansonsten betrachtet er dieses Wesen als Abschaum. Elisa hingegen ist sofort fasziniert vom Kiemenmenschen. Es scheint schon fast Liebe auf den ersten Blick zu sein und so schleicht sich Elisa regelmäßig in das anscheinend spärlich bewachte, geheime Labor in dem das Wesen gefangen gehalten wird.

Guillermo del Toro muss als Kind „Der Schrecken des Amazonas“ geliebt haben. Bereits in seinen Hellboy Filmen hat er den schlaksigen Charakterschauspieler Doug Jones in ein Fischmenschkostüm gepresst und bei „The Shape of Water“ geht er noch einen Schritt weiter und erzählt eine Geschichte, die man glatt als direkte Fortsetzung von „Der Schrecken des Amazonas“ ansehen könnte. Tatsächlich gibt es sogar einige Parallelen zwischen „The Shape of Water“ und „Die Rache des Ungeheuers“, der eigentlichen Fortsetzung von „Der Schrecken des Amazonas“ – beide dieser 50er Jahre Monsterfilme sind übrigens auch überaus sehenswert. Guillermo dreht bei seinem oscarprämierten Film jedoch etwas den Fokus um. Wir haben kein Monster, dass eine hübsche Frau stalkt, sondern eine Frau, die man wohl eher als Mauerblümchen beschreiben würde, dass sich sofort in das Monster verliebt. Und hier möchte ich gleich mal einen kleinen Kritikpunkt aufbringen. Mir geht das „Kennenlernen“ und „Verlieben“ in diesen Film viel zu schnell. Elisa, die von Sally Hawkins grandios gespielt wird, muss nicht zuerst irgendwie erkennen, dass unter der schuppigen Haut ein einfühlsames Wesen steckt. Es gibt keine Szenen, in der sie langsam realisiert, dass das Monster ihre Stummheit nicht als eine Art Krankheit ansieht oder ähnliches – Sie scheint es sofort zu wissen und hegt auf den Schlag romantische Gefühle für den Kiemenmann. Von einem Film, der immerhin 2 Stunden dauert hätte ich etwas mehr build-up erwartet. Dafür lässt sich del Toro nicht Lumpen, wenn es um die Optik des Streifens geht: Alles strahlt in diversen Grüntönen (und in Petrol) was das Wasserthema allgegenwärtig macht. Was die Inszenierung angeht ist Guillermo eben ein Meister und mit seiner Filmtechnik sollte er eigentlich immer irgendwelche Preise abräumen. Was er auch immer wieder schafft ist diese märchenhafte Stimmung aufzubauen, die schon Streifen wie „Pan’s Labyrinth“ auszeichnete. Doch auch wie in „Pan’s Labyrinth“ handelt es sich um ein Märchen für Erwachsene – denn anders als bei „Disney’s Die Schöne und das Biest“, wird mit sexuellen Themen sehr offen umgegangen und es wird auch nicht zurückgeschreckt Blut spritzen zu lassen. Neben der Märchenromanze zwischen stummer Frau und fischigen Mann, beinhaltet „The Shape of Water“ auch noch soziale Themen. Die Gruppe von Protagonisten sind allesamt Außenseiter und Unterdrückte in ihrer Gesellschaft – durch ihre Hautfarbe, Geschlecht, Behinderung oder Sexualität stehen sie im Kontrast zu Michael Shannons Strickland, der als ehrgeiziger, gutverdienender weißer Mann der Vorzeigeamerikaner ist, aber das eigentliche Monster im Film. Was wohl nicht nur in den 60ern relevant war, sondern heute auch wieder … oder besser gesagt immer noch. Trotzdem holte mich „The Shape of Water“ nicht komplett ab. Ein durchaus sehenswerter Film, da er optisch wirklich meisterlich ist, doch die Handlung war mir etwas zu durchschaubar und die Liebesgeschichte, die eben der Fokus des Films ist, wirkte für mich nicht organisch genug. Außerdem wählt der Kiemenmensch gegen mitte des Films einen Snack, womit er bei mir ordentlich Minuspunkte sammelte.

 

Mein Fazit: 6,5 von 10 Bonbons ohne Schnick-Schnack

„The Shape of Water“ ist Schauspielerisch und was Regie und Kameraarbeit angeht fantastisch. Guillermo del Toro und sein Team lassen hier wahrlich die Muskeln spielen. Auch Doug Jones, der Mann unter der Fischmaske verdient mehr Lob als er meistens bekommt. Doch auch wenn ich vom Film sehr angetan war, glaube ich, dass er einfach nicht für mich war. „The Shape of Water“ kann man glaub ich am besten als klassisches Disney-Märchen für Erwachsene beschreiben. Leute, die immer noch gerne an Zeichentrickromanzen wie „Die Schöne und das Biest“ zurückdenken, jedoch eine reifere Version suchen, sollten bei „The Shape of Water“ dringend zugreifen. Monsterfreunde wie ich werden wohl eher beim Original „Schrecken des Amazonas“ bleiben, sollten aber trotzdem zumindest einen Blick auf Guillermo del Toros Liebesbrief an den Kiemenmenschen riskieren.