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Okt 30

“THE WICKER MAN” (1973) Review

 Bevor es nun letztendlich Halloween ist, habe ich noch einen Film vorzustellen: THE WICKER MAN! Und damit meine ich nicht den Nicolas Cage Streifen aus dem die bekannte „NOT THE BEES!“-Szene stammt. Ich spreche vom Original von 1973 mit Christopher Lee und Ingrid Pitt! „The Wicker Man“ ist nach einem holperigen Start im Kino zum Kultfilm aufgestiegen und wird oft als bester Horrorfilm aller Zeiten, als „Citizen Kane“ des Horrorgenre bezeichnet. Hier in Deutschland hört man nur selten etwas über den Streifen, da er hierzulande nie ins Kino oder Fernsehen kam. Erst mit der DVD-Veröffentlichung 2009 kamen auch deutsche Zuschauer in den Genuss des Filmes – und damit auch ich. Okay, haben wir mit „The Wicker Man“ tatsächlich so lang ein Meisterwerk verpasst? Oder wird wie so oft einfach nur maßlos übertrieben? Ich möchte wie immer zuerst kurz und spoilerfrei über die Handlung des Films sprechen, bevor wir tiefer in die Materie tauchen:

the-wicker-man-1973Um das rätselhafte Verschwinden des jungen Mädchens Rowan Morrison aufzuklären, reist der Polizist Sergeant Neil Howie auf die Insel Summerisle vor der schottischen Küste. Bald merkt er, dass die Bewohner von Summerisle ein merkwürdiges Volk sind. Zumindest gerät der sehr christliche und rechtschaffene Howie öfters in Konflikt mit den Insulanern, die sich an eine keltische Religion voller heidnischer Eigenheiten und Fruchtbarkeitsrituale halten. Hinzu kommt dass Sergeant Howie bei seiner Suche nach dem verschwundenen Mädchen ständig von den Insulanern scheinbar an der Nase herumgeführt wird. Existiert eine Rowan Morrison überhaupt? Und wenn ja, lebt sie oder ist sie bereits tot?

Ist „The Wicker Man“ einer der besten Horrorfilme aller Zeiten? Nö, denn ich finde nicht, dass „The Wicker Man“ überhaupt ein Horrorfilm ist. Womit ich mir den Film damals schon mal mit einer völlig falschen Erwartungshaltung ansah. Und gerade weil dieser Streifen nahe zu immer als Horrorfilm deklariert wird, möchte ich euch vor eben diesen Fehler bewahren. „The Wicker Man“ ist eher eine Detektivstory, ein etwas bizarrer Kunstfilm mit einigen Musikstücken zwischendurch. Ihr hört richtig: Musikstücke! Die Inselbewohner haben häufig Lieder auf den Lippen, meist auch mit schlüpfrigen Texten – zum missfallen von Sergeant Howie, versteht sich. Der Kern der Geschichte ist neben der Suche nach der vermissten Rowan, der Disput zwischen dem sehr verklemmten und stark gläubigen Howie mit den sexuell ungezügelten Heiden und deren befremdlich wirkenden alten Ritualen. Anführer der Heiden ist dabei kein geringerer als Christopher Lee, der den Lord Sommerisle mimt. Da der Film ein wirklich schmales Budget hatte, arbeitete Lee sogar vollkommen für lau. Seiner Meinung nach ist „The Wicker Man“ einer seiner besten Filme und es ist nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass der Streifen so einen Kult entwickelte. Die Produktionsfirma British Lion war damals in tiefster Geldnot und wurde von EMI aufgekauft. Den Leuten von EMI gefiel das Projekt „Wicker Man“ gar nicht und so gab es einige problematische Umstände die die Produktion begleiteten. Der im warmen Frühling angesiedelte Film musste zum Beispiel im November bei eisigen Temperaturen gedreht werden. Es wurden Bäume mit falschen Apfelblüten geschmückt und bei so mancher Außenaufnahme mussten die Schauspieler Eiswürfel lutschen, damit man ihr Atem nicht sehen kann. Auch an einem richtigen Marketing fehlte es. So musste Christopher Lee und die Produktionscrew selbst die Werbetrommel rühren. Es war der Film, von dem „sie“, die Reichen und Mächtigen, die Filmchefs bei EMI, nicht wollten, dass du ihn siehst, was in Verbindung mit dem außergewöhnlichen Kunstfilmcharme des Streifens zu dessen Erfolg führte. Und ja, es ist ein faszinierender, schon fast einzigartiger Film. So schafft es der Singsang mal melanchonische Töne anzuschlagen, oder eben auch mal alberne, wie zum Beispiel, wenn das komplette Wirtshaus darüber singt wie “erregend” sie die Tochter des Wirtes finden, die ebenfalls lächelnd mitschunkelt.Einige Szenen sind verstörend oder laden dazu ein sich fragend am Kopf zu kratzen. „The Wicker Man“ mag kein Horrorfilm sein, aber es ist eine innovative Detektivgeschichte voller bizarrer Momente, die man sich am besten selbst mal ansieht.

 

 

 

Mein Fazit: 6 von 10 Lachse des Wissens

“The Wicker Man” sollte man nicht ansehen, wenn man einen gruseligen Streifen erhofft. Grusel und Horror sind hier eindeutig nicht der Fokus, obwohl es schon mal makaber zu gehen kann. Was den Film eher ausmacht ist seine Einzigartigkeit. Es gibt kaum einen vergleichbaren Film und trotz seiner Andersartigkeit überzeugt er durch schöne Bilder, eines gut recherchierten Hintergrundes und starker Schauspieler. Ich glaube “The Wicker Man” ist nicht dieser überragende Film, zu dem er oft gemacht wird, aber es ist ohne Zweifel ein sehenswerter und origineller Streifen.

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