«

»

Nov 11

“THOR: RAGNAROK” Review

„Thor: Tag der Entscheidung“ hört sich doch dämlich an, oder? Bleiben wir also lieber beim viel passenderen Originaltitel des Films „Thor: Ragnarok“, okay? Okay. Der mittlerweile siebzehnte Film des unglaublich erfolgreichen Marvel Cinematic Universe und dritte Film der Thor-Reihe wird stark von Fans und Kritikern gefeiert. Aber ihr treibt euch hier auf DEGL-TOONS herum um herauszufinden was ich von dem Film halte, also legen wir gleich mal mit der Handlung des Streifens los:

 

thor-ragnarok Angetrieben von seinen Visionen vom Untergang Asgards befindet sich unser liebster Hammerschwinger seit den Ereignissen in „Avengers: Age of Ultron“ auf der Mission eben dies zu verhindern. Nachdem er sich dem Feuerdämon Surtur vorgenommen hat und der Meinung ist, das Ende seiner Welt, dem Ragnarok, sei nun ein Ende gesetzt kehrt er nach Asgard zurück. Doch es bahnt sich trotzdem ein großes Unheil an. Die übermächtige Hela, die vor Urzeiten von Odin weggesperrt wurde bricht aus ihren Gefängnis aus und möchte auf Asgards Thron sitzen und von dort zahllose Welten knechten. Bei Thors ersten Aufeinandertreffen mit Hela, zerstört diese Thors Hammer Mjolnir und Thor selbst wird in die unendlichen Weiten des Weltalls geschleudert. Später findet sich der Gott des Donners auf dem Planeten Sakaar wieder, wo er sofort von den Einheimischen gefangen genommen wird. Während Thor nun als Gladiator zur Belustigung der Bevölkerung Sakaars und deren Herrscher, dem Grandmaster in einer Arena kämpfen muss, setzt Hela ihre Eroberung von Asgard fort. Doch wie es der Zufall so will trifft Thor auf dieser fremden Welt auf einen alten Bekannten von der Erde.

 

Natürlich wissen wir, dass Hulk dieser Bekannte ist. Es ist eigentlich eine ziemlich clevere Idee Hulk und Thor in einen Team-Up-Film zu stecken. Thors Solo-Filme gelten als die schwächsten Streifen von Marvels Filmuniversum und ein wirres Filmrechtschaos verhindert dass Hulk einen eigenen Solofilm bekommt. Die beiden „schwarzen Schafe“ zusammenzupacken revitalisiert also beide Marken und der farbenfrohe Look des Films impliziert zudem, dass „Thor: Ragnarok“ eine andere Richtung einschlägt als seine Vorgänger. Der Ton des Films erinnert mehr an die „Guardians of the Galaxy“. „Thor: Ragnarok“ versteht sich selbst in erster Linie als Komödie. Der Regisseur Taika Waititi, war hier voll in seinem Element. Am meisten Reden machte der Neuseeländer bisher mit seiner Vampirkomödie „5 Zimmer, Küche, Sarg“ von 2014, die ich euch nur wärmstens Empfehlen kann. Waititi unterstütze, dass sehr viel Dialog im Film improvisiert wird. Das viel Improvisation um Thorschauspieler Chris Hemsworth auch nach hinten losgehen kann haben wir im schrecklichen Remake von „Ghostbusters“ gesehen, aber hier zündet der Humor durchgängig. Es sind sogar einige sehr lustige, unerwartete Cameoauftritte, die ich aber nicht vorwegnehmen will. Wie gesagt, wer den ersten und zweiten thor-simonson-planet-hulk„Guardians of the Galaxy“ mag, wird sich hier schnell zu hause fühlen: Saloppe Sprüche, spektakuläre Science-Fiction-Actionszenen unterlegt mit cooler, klassischer Rockmusik und einiges an Slapstick. „Thor: Ragnarok“ ist ein durchgängig unterhaltsamer, lustiger, bunter und actionreicher Film, der auch einiges am Status Quo um den Donnergott aufrüttelt… ABER ich habe trotzdem ein paar Probleme mit dem Film – weniger mit dem Film selbst, als das, was ich mir von einem Thor- und Hulk-Film vorstelle. „Thor: Ragnarok“ leiht sich viel vom Hulkcomic „PLANET HULK“ aus – einer Story, über die ich auch schon hier in meinem Blog geschrieben habe. Der Planet Sakaar, die Gladiatorenkämpfe, und natürlich Hulk selbst sind aus diesem Comicepos. Allerdings wird der Film dieser Vorlage keineswegs gerecht. Es wurden nur diese oberflächlichen Elemente aus dieser Story entnommen, ohne den Facettenreichtum und die epischen Ausmaße von „Planet Hulk“ zu adaptieren. Christ Hemsworth Thor hat sich auch geändert. Einige der improvisierten Szenen passen wie die Faust aufs Auge zum Charakter Thor Odinsons, in anderen hingegen (wie die Eröffnungsszene mit Surtur) hört es sich eher an, als würde Peter „Starlord“ Quill von den Guardians of the Galaxy sprechen, und nicht Thor. Und nicht in jeder Situation ist der Humor des Films passend. In diesem Film geht es um Ragnarok und wir haben einen apokalyptischen Plot und viele Tote zu verzeichnen, was jedoch alles immer wieder mit einem Gag endet. Dadurch kann kaum richtige Dramatik aufkommen und selbst extrem tragische Momente verlieren enorm an Gewicht. Es ist schwierig einen richtig seriösen Thor-Film zu machen, und eine komplett bierernste Interpretation des Stoffes will ich auch garnicht, aber der viele „out-of-character“-Humor ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg für diese Comicfigur. Vor allem, wenn man trotz der zugegebener Maßen sehr abgefahrenen und unterhaltsamen Bilder, im Grunde wieder nur die Geschichte erzählt von einem bitterbösen Fiesling mit einem Weltuntergangsplan hat, der von den Helden vereitelt werden muss. Marvel hat in den letzten Jahren viele coole Streifen gemacht, in denen diese relativ simple Handlung immer wieder neu erzählt wird. Ein frischer Anstrich als Heist-Film wie in „Ant-Man“, mit surrealer und psychadelischer Magie wie in „Doctor Strange“, oder also poppige Sci-Fi-Komödie wie in „Guardians of the Galaxy“ haben bisher meist ausgereicht um darüber hinweg zu täuschen. Doch nach so vielen Superheldenfilmen muss Marvel endlich andere Storys auspacken und mit noch mehr Konventionen brechen. Ein perfektes Beispiel dafür war „Captain America: Civil War“ dessen Fokus auf dem Konflikt zwischen den Helden lag. „Spider-Man: Homecoming“ hatte zumindest einen Bösewicht, dessen Motivation nachvollziehbar ist, aber „Thor: Ragnarok“ hat im Grunde unter seinem bunten 80s Look und den vielen Witzen nur die gleiche Grundprämisse wie der Vorgänger „Thor: The Dark Kingdom“ zu bieten. Und das ist schade, weil gerade durch die Einarbeitung des thor-jason-aaron„Planet Hulk“-Stoffes eine viel interessantere Story möglich gewesen wäre. Auch in Thors Comicgeschichte gibt es wahnsinnig coole Geschichten, wie die „Beta Ray Bill“-Saga von Autor Walt Simonson, in der Thor auf einen Alienkrieger trifft, der ebenfalls des Hammer Mjolnir würdig ist. Eine etwas aktuellere Story wäre „The God Butcher“ von Jason Aaron die gleichzeitig in drei Zeitebenen spielt und sich mit Aussterben der Götter befasst. Was ich sagen will ist: Die 0815-Superheldenverfilmung zieht langsam nicht mehr und die Situation ist um so frustrierender, da es so viele komplexere Handlungen in den Comicvorlagen gibt, derer man sich aber nur für Easter Eggs und oberflächlicher Elemente bedient.

 

 

Mein Fazit: 6,5 von 10 Beta Ray Bill Statuen

Ich habe nun ewig rumgemotzt, aber nichts desto trotz ist „Thor: Ragnarok“ der unterm Strich beste Thor Film bisher. Der Film sieht fantastisch aus und ist wahnsinnig lustig. Neue Figuren wie die von Tessa Thompson gespielte Valkyrie und Jeff Goldblum als Grandmaster sind sehr cool, sowie Kate Blanchet als Hela. Die Action ist geil, vor allem wenn man sie mit Led Zepplin unterlegt. Aber ich würde eine richtige Adaption von „Planet Hulk“, eine komplexe Geschichte ala „The God Butcher“ oder einen richtigen, epischen Auftritt von Beta Ray Bill jeder Zeit bevorzugen. Und wenn Marvel nicht bald merkt, dass sie die archetypischen „Bösewicht will Welt zerstören“-Geschichten nicht ständig wiederholen kann, sondern auf nachvollziehbarere und interessantere Konflikte für ihre maskierten Helden setzen muss, dann sehe ich keine rosige Zukunft für Superheldenfilme.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>