«

»

Aug 21

“TURTLES – Der Film” (1990) Review + Turtles-Trivia

Turtles RaphaelZur Zeit treibt sich ein neuer Turtlesfilm im Kino herum. Michael Bay, der Mann hinter den Transformerfilmen und Jonathan Liebesman der Regisseur von “Zorn der Titanen” haben sich die mutierten Schildkröten vorgenommen und ein aufgeblasenes Actionfeuerwerk aus dem Stoff gemacht, für dass ich, in anbetracht der Filmographie der beiden Jungs, zur Zeit lieber kein Geld ausgeben möchte. Doch es gibt ja noch einige andere Turtlefilme, bei denen man Reptilien mit Nunchucks kämpfen sieht! Darum geht’s heute um den ersten Turtles Spielfilm aus dem Jahr 1990!

Doch bevor wir uns direkt auf den Film stürzen gibt es von mir noch einen kleinen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Phänomens Teenage Mutant Ninja Turtles! Was viele nämlich nicht wissen, ist dass dieser gesamte Hype mit einem Comic von Kevin Eastman und Peter Laird von 1984 begann. Die beiden, jungen Comiczeichner haben damals eigentlich nur eine Parodie auf zwei der damals erfolgreichsten Comicreihen “Daredevil” und “X-Men” erschaffen. So kämpfen die wie die X-Men mutierten Turtles gegen den Foot-Clan, während Daredevil sich gegen den Orden der Hand zur wehr setzt. Die Parodie hatte ihren eignen Charme und das ungewöhnliche Konzept wurde zu einem riesen Erfolg, was die Produktion der Zeichentrickserie zur Folge hatte, durch die meisten von uns den ersten Kontakt mit den Turtles hatten. In Europa machte man übrigens die “Teenage Mutant Ninja Turtles” zu “Teenage Mutant Hero Turtles”, weil der Begriff “Ninja” zuviel Gewalt implizierte – Blödsinn, oder? Egal, mit der Zeichentrickserie begann der riesige Hype um das Franchise, um den mann von Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger nicht herum kam. Man konnte jeden Gebrauchsgegenstand mit Turtlesaufdruck kaufen, ich selbst hatte meine erste Schultasche mit den vier Mutanten drauf! Wär hätte geahnt, dass so verrückte Figuren die Helden einer ganzen Generation werden?

Als es dann ende der 80er darum ging die Turtles auf die Leinwand zu bringen, setzte sich der Regiesseur Steve Barron dafür ein, etwas mehr auf die Comicvorlage einzugehen. Der Film sollte zwar Kindgerecht, wie die Serie gehalten werden, doch Barron gelang es trotzdem den Film einen düsteren Anstrich zu verpassen und auch einige andere Elemente von Eastman und Lairds Original wieder auszugraben. Doch um was geht es in dem Turtlesfilm?

New York wird von einer Verbrechenswelle überschwemmt. Eine Untergrundorganisation die aus Japan zu kommen scheint rekrutiert in den USA neue Mitglieder und stiehlt und raubt was das Zeug hält. Reporterin April O’Neil ist der Bande auf den Fersen, als sie selbst fast zum Opfer wird! Gerettet wird sie natürlich von den TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES, die jedoch, wie es sich für Ninjas gehört im Schatten ihren Kampf ausfechten und ungesehen wieder verschwinden. Die vier zu humanuiden Schildkröten mutierten Brüder Leonardo, Donatello, Raphael und Michelangelo leben unter Tage im Abwassersystem von New York und werden von ihrem Meister Splinter, einer mutierten Ratte im Ninjitsu ausgebildet. Doch das ständige Aufeinandersitzen in der Kanalisation gefällt nicht allen Turtles! Raphael, der aufbrausende der vier braucht öfters Zeit für sich und schleicht in der Stadt herum. So trifft er erstens auf Casey Jones, einem etwas verrückten, selbsternannten Gesetzeshüter, der mit Eishockeymaske und einer Tasche voller verschiedenster Sportschläger auf Verbrecherjagd geht und rettet zweitens kurz darauf April O’Neil erneut vor streitsüchtigen Foot-Clan Mitgliedern. Die verletzte April bringt Raphael in das Versteck der Turtles, da er sie ja schlecht irgendwo liegen lassen kann. Doch leider bemerkt er nicht, dass die Ninjagauner des Clans ihn verfolgen und nun ihren brutalen und mysteriösen Anführer Shredder davon berichten wo sich die heldenhaften Reptilien verstecken!

Als Kind war es schon wirklich erstaunlich die Zeichentrickfiguren in einem echten Spielfilm mit richtigen Schauspielern zu sehen. Die Turtles selbst und auch Ratte Splinter wurden vom Jim Henson Creature Shop auf die selbe weise erzeugt wie seiner Zeit die Puppensitcom “Die Dinos” und können sehr gut überzeugen – vielleicht nicht immer zu 100%, aber sie sind besser und plastischer als die meisten Computeranimationen und können so den Film leicht tragen. Im Fokus liegt vor allem der rebellierende Raphael, bei dem man das “Teenage” der Turtles am meisten spürt, denn “Turtles” ist auch ein Coming of Age Film, der sich mit dem älter werden und dem Familienzusammenhalt beschäftigt! Und obwohl die Geschichte der Mutantenbrüder gut erzählt ist, die Dialoge witzig und die Charaktere liebenswert sind, hat das Skript auch eine Schwäche: Ein Junge, der Sohn von April O’Neils Boss, der sich als rebellierenden Teenie Shredders Foot-Clan anschließt muss immer wieder her halten um die Handlung voran zu treiben. Eigentlich ist es nicht schlecht den Burschen als Bezugsperson und roten Faden im Film zu haben, aber die Figur ist zu flach und nicht ausreichend entwickelt, um darüber hinweg zu täuschen, dass er nur ein Werkzeug des Drehbuchautoren ist um von Szene a) nach b) zu gelangen. Doch diesen Schnitzer beiseite gelassen ist “Turtles – Der Film” eine klasse Comicadaption – wäre da nicht noch die deutsche Synchronisation! Ich habe mich schon mal  in einen anderen Artikel darüber aufgeregt, dass bei der deutschen Lokalisierung dieses Films totaler Bockmist getrieben wurde. So war damals der Filmverleih der Meinung, dass der Streifen immernoch zu brutal für Kinder wäre und darum wurden unzählige, klischeehafte Cartoongeräusche in die Tonspur eingefügt, die es einem schwer machen den Film an sich und insbesondere die Kämpfe ernst zu nehmen. Wenn die Ninjas angreifen ertönt eine Kavalleriefanfare, bei einem Schlag hört man ein “Boing” und wenn jemand zu Boden geht hört man Vogelgezwitscher. Das nervte mich schon als Kind! Natürlich ist der Streifen nicht Bierernst und er hat viele lustige Momente, aber eben auch Dramatik und Spannung! Es wirkt aufgesetz und nimmt viel von der Stimmung, so als würde man in Tim Burton’s “Batman” die ‘BAM’ und ‘KABOOM’ Geräuschblasen aus der Batman-Serie der 60er hineinschneiden!. Wenn ihr die Chance habt den Film in der Original Tonspur anzusehen, dann nutzt sie, denn es gibt bis heute keine bessere Verfilmung der Teenage Mutant Ninja Turtles!

 

 


Mein Fazit für den Film im englischen Original: 7,5 von 10 Mutanten

Mein Fazit für den Film mit deutscher Synchro: 5,5 von 10 Ninjas

 

“Turtles – Der Film” gibt den geneigten Turtles-Fan fast alles was er sich wünscht. Die Action stimmt, das Feeling passt und der Streifen ist eine runde Sache. Zugegeben, teilweise gibt es Drehbuchschwächen, doch die vier Brüder machen das alles wett – wenn auch nur im Originalton!