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Jun 22

“VERGESSENE WELT: JURASSIC PARK” Review

Es ist immer sehr schwer eine Fortsetzung für einen beliebten Film zu drehen, genauso wie eine Fortsetzung zu einem beliebten Buch zu schreiben. Bei „Vergessene Welt – Jurassic Park“ haben wir einen sehr interessanten Fall. Nachdem Spielbergs Verfilmung “Jurassic Park” nach Michael Crichtons Roman DER Blockbuster der frühen 90er Jahre wurde, schrieb Crichton einen weiteren Jurassic Park Roman. Dieses mal wurden ihn aber anscheinend einige Anweisungen von Seiten Hollywoods aufgebrummt. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso Ian Malcom die Hauptfigur der Geschichte ist. Anders als im Film, in dem der von Jeff Goldblum gespielte, charismatische Chaostheoretiker überlebt, stirbt dieser im Roman. Aufgrund der Popularität kam der „Rockstar“ der Mathematik plötzlich zurück ins Reich der Lebenden. Um so verwunderlicher ist, dass es abgesehen von einigen Schlüsselmomenten kaum etwas vom Buch in den Film schaffte. Das macht es mir schwer Buch und Film miteinander zu vergleichen, darum werde ich es bei der Randnotiz belassen, dass sie ziemlich unterschiedlich sind. Damit wäre das geklärt und ich kann endlich mit meiner Review zu „Vergessene Welt“ beginnen, die wie immer mit einer kleinen, spoilerfreien Zusammenfassung der Handlung startet:

The Lost World Jurassic Park TitleINGEN, der Konzern von John Hammond hat ganze Arbeit geleistet. Die Katastrophe um den Jurassic Park und den vielen Leuten die im Laufe des ersten Filmes umkamen wurden wunderbar vertuscht. Nur Ian Malcom wollte die Klappe nicht halten und erzählte in der Öffentlichkeit von den Dinos. Verwunderlich also, das John Hammond den Physiker zu sich beruft. Wie sich herausstellt will der alte Mann sein Gewissen etwas erleichtern und erzählt Ian von Anlage B. Eine ehemalige Dinosaurierzuchtstation, die sich auf einer Nachbarinsel des eigentlichen Jurassic Parks befand. Dort laufen die Tiere seit 4 Jahren komplett frei und ohne Zäune umher und scheinen fantastisch zu gedeien. Hammond möchte Isla Sorna und dessen Dino-Ökosystem erforschen lassen. Es soll alles schön dokumentiert werden um danach der Welt die Wahrheit über die INGEN-Dinosaurier zu eröffnen und diese Insel in ein Naturschutzgebiet zu verwandeln. Alles in allem recht schön denkt sich Ian, aber Leute dort hinschicken hält er in Anbetracht seiner unschönen Erfahrungen mit den prähistorischen Genossen für eine mehr als schlechte Idee. Zu doof, das seine Freundin, die Tierfotografin und Biologin Dr. Sarah Harding bereits Isla Sorna ist um das Wildleben zu studieren. Komplett in Panik schließt sich Ian trotzdem der Expedition an, die er kurzer Hand zur Rettungsmission umdeklariert. Ein kleines Team macht sich sammt High-Tech-Fahrzeugen auf den Weg zur Dinoinsel, ohne zu ahnen, dass sie einen blinden Passagier mit an Bord haben und bald auch noch weitere menschliche Gesellschaft auf der Insel bekommen. Hammonds Neffe, der neue Firmenchef von INGEN hat seine eigene Expedition geschickt, aber nicht um die Saurier zu erforschen, sondern um sie einzufangen.

Als Film will einem „Die Vergessene Welt“ die klassische Sequelplatte vortischen. Mehr Dinosaurier als im ersten Film, darunter zwei ausgewachsene Tyrannosaurier, mehr Leute zum auffressen und die beliebteste Figur des Vorgängers ist nun der Hauptcharakter. Gegen Jeff Goldblum als Lead kann man ja wirklich keine Einwände bringen und die weibliche Hauptrolle der Sarah Harding wird von Julianne Moore auch exzellent rübergebracht (obwohl die Figur mit ihrer afrikanischen, durchtrainierten Zoologenvorlage aus dem Roman kaum etwas zu tun hat). Schon die erste Szene des Films, in den ein junges Mädchen von einer Schar kleiner Dinos (Compsognathus) angegriffen wird, impliziert, dass der Film wesentlich düsterer ist als Jurassic Park. Vielleicht ein Nebeneffekt von Spielbergs vorheriger Arbeit „Schindler’s Liste“. Man entfernte sich von der fast kindlichen Faszination für Dinos die die erste Hälfte des Originals dominierte und schickte die Figuren in die freie Wildbahn, in der fast jede Begegnung mit den Tieren zu einer mit Buschtrommeln untermalten, tödlichen Jagd wird. Das führt zu den extrem gelungenen, spannungsgeladenen Schlüsselszenen des Films. Spielberg zeigt nochmal wie gut er euch das Herz in die Hose rutschen lassen kann. Für Momente wie der T-Rex Angriff auf den doppelten Wohnwagentrailer oder die Überfälle der Raptoren braucht man selbst als Zuschauer Nerven wie Drahtseile – zumindest bis Ian Malcoms Tochter anfängt ihre Gymnastikskills auszupacken. Was uns zu den negativen Aspekten des Films bringt. Abgesehen von einer Hand voll Figuren wie dem Großwildjäger Roland und den bereits erwähnten Gepann aus Malcom und Harding, sind die meisten Charaktere unterentwickelt. Gerade Malcoms Tochter nervt eigentlich nur und ist (abgesehen von ihrer Sternstunde, die zum Fremdschämen anregt) komplett nutzlos. Auch die anderen Expeditionsteilnehmer sind bei weitem nicht so sympathisch oder interessant wie die Leute aus dem ersten Film. Das Finale bzw. das zweite Finale des Films, dass Papa T-Rex in für ihn ungewohntes Terrain versetzt ist fantastisch, auch wenn es da das eine oder ander Plothole gibt. Und wie immer, wenn er an einem Film mitgewirkt hat, darf ich Stan Winstons Arbeit an den Special Effects nicht unerwähnt lassen. Wie auch “Jurassic Park”, hat “Vergessene Welt” Dinoeffekte der superlative, die auch heute noch (zum größten Teil) unglaublich gut aussehen und die Dinosaurier wahrlich zum Leben erwecken.

Mein Fazit: 7,5 von 10 wütenden T-Rex Eltern

Es gibt da draußen viele Leute, die „Vergessene Welt“ schlecht finden, und ich stimme ihnen zu, dass er nicht an den ersten Jurassic Park herankommt, doch im großen und ganzen finde ich Teil 2 des Dinofranchises unterbewertet. Er ist actionreich, wahnsinnig spannend und lenkte den Jurassic Park auf einen neuen, innovativen Kurs, der zwar etwas holpriger und düsterer wurde als beim Original, aber zu unterhalten weiß. Kein Meilenstein, aber immer noch das zweitbeste Dinosaurierabenteuer.

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