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Mrz 22

Wie macht man aus DOOM einen Film?

Vor kurzem habe ich eine Review zum Film DOOM von 2005 geschrieben, bei der ich anfing einen kleinen Nachtrag zu Verfassen, der jedoch schnell auf eine überdimensionale Länge anwuchs. Um meine Review nicht unnötig weiter aufzublähen habe ich mir gedacht, dass ich stattdessen einen eignen kleinen Artikel mache in dem ich mich mit dem Thema beschäftige wie man ein Franchise wie DOOM überhaupt als Film umsetzen könnte. Neben der Verfilmung von 2005 gab es nämmlich auch noch eine zweite Adaption von 2019. „DOOM: ANNIHILATION“ wurde extrem billig und direkt für einen Homevideorelease produziert – höchstwahrscheinlich nur um die Filmrechte für Universal weiter zu sichern. Und von den gleichen Leuten, die über anderthalb Jahrzehnte lang auf den Film von 2005 geschimpft haben, heißt es nun, dass selbst der verhasste Film mit The Rock wie ein Geniestreich im Vergleich zu DOOM: ANNIHILATION wirkt. Die Hauptfigur ist hier kein Testosteron-strotzender Muskelprotz wie Karl Urban oder Dwayne Johnson, sondern eine von Amy Manson gespielte Soldatin namens Joan Dark. Auch wenn die beiden Filmadaptionen unterschiedlich sind, haben sie eines gemeinsam: Sie machen die Hauptfigur zu einen „normalen“ Menschen.

doom-knee-deep-in-the-deadDie Titelfigur der Spiele, der DOOMGUY bzw. DOOMSLAYER ist ein stiller Typ, der eigentlich nur aus ungezügelter Aggression besteht und sich einsam durch Horden fratzengesichtiger Cybermonster, deformierter Dämonen und grünhaariger Zombiesoldaten ballert. In einen alten Interview hatte John Carmack, einer der Schöpfer von DOOM einmal gesagt, dass die Story in Videospielen in etwa so wichtig sei wie die Story in Pornos – es würde zwar erwartet, dass sie vorhanden ist, doch sie ist total nebensächlich. Dieses Zitat stammt zwar aus den frühen Tagen des Videospielmediums und Carmack hat seine Ansichten hierzu natürlich geändert, doch trotzdem lag der Schwerpunkt von DOOM schon immer mehr Gameplay und weniger auf Storytelling. Aus dem DOOMGUY eine Hauptfigur für einen Film zu machen hieße ihn stark zu humanisieren und von Null einen Charakter aufzubauen. Dies hat in den Filmen bisher so-lala geklappt, wurde jedoch besser von Dafydd ab Hugh und Brad Linaweaver umgesetzt, die mit ihrer Romanadaption des Spiels einen knackigen Pageturner schrieben, der einige Fortsetzungen bekam. Ich habe bisher den ersten Roman “Knee-Deep in the Dead” gelesen, hauptsächlich weil mich schier und einfach interessierte WIE die beiden Autoren DOOM zu einem Roman adaptierten. Ich fand es ziemlich cool, aber wie könnte man es noch machen.

Ich habe mir überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre eine anderen Weg einzuschlagen um eine DOOM-Geschichte außerhalb eines Videospiels zu erzählen. Und zwar in dem man den DOOMGUY zur Nebenfigur macht. Ein Beispiel wie dies aussehen könnte wäre DREDD von 2012 in dem witziger weise ebenfalls Karl Urban in die Rolle des Titelgebenden Judge Dredd schlüpft. Dredd ist relativ eindiemensional, zieht seine Sache stur durch und unter seinem Helm blitzen kaum Emotionen außer Zorn, Schmerz und von Schmerz verursachten Zorn hervor. Die Tatsächliche Hauptfigur des Films ist die Judge-Anwärterin Anderson, die hier ihr erstes Abenteuer an der Seite von Dredd erlebt und als Verbindung zum Zuschauer fungiert. So kann Dredd weiterhin die kühle Kampfmaschine bleiben, ohne dass dem Publikum eine Bezugsperson fehlt. Dies könnte schon für einen Film funktionieren, doch gehen wir noch einen Schritt weiter.

 

Was ist mit einem DOOM Film, der die Spirit der ersten Spiele oder doom-hell-on-earthder neuen Reboot-Teile von 2016 und 2020 inne hat. Einen DOOM-Film in dem der DOOMSLAYER diese Dämonen zerberstende Urgewalt ist, die teilweise mit bloßen Händen Arme von Torsos separiert und sich in einem unmenschlichen Blutrausch durch ganze Armeen metzelt. Der DOOMSLAYER ist hier eine Power-Fantasie und kein Protagonist. Meine Idee wäre also ihn noch weiter von den menschlichen Protagonisten eines Films zu entfernen – der DOOMSLAYER treibt in meinen Filmen meist den Plot voran und trägt die blutigen Schlachten aus, während die Protagonisten oft nur Zuschauer des Gemetzels sind. Vielleicht kommentieren woher der SLAYER kommt, was er wohl vorhat, während er wortlos seine Schrotflinte in die diabolischen Monster entlädt und ihm vielleicht hier mal eine Schlüsselkarte zukommen lassen oder der gleichen. Kurz gesagt: Ich könnte man vorstellen, dass man in einem DOOM Film den DOOMSLAYER so behandelt wie man Godzilla in einem seiner Filme behandelt. Es gibt immer menschliche Akteure, durch die das Publikum das Spektakel erlebt, aber Godzilla, der in den meisten Fällen weder spricht noch eine wirkliche Verbindung zu den menschlichen Figuren des Films hat, ist der weswegen sich die Leute den Film ansehen. Außerdem würde ich versuchen die etwas tiefere Lore um den Slayer und die Hölle zu implementieren. Mein DOOM-Film würde wohl nicht auf den Mars oder einem seiner Monde spielen, sondern auf der Erde und hätte den Titel “DOOM: HELL ON EARTH”, angelehnt an das zweite Spiel. Die Protagonisten würden wissen, dass der Mars von Dämonen überrannt wurde und sehen sich nun mit der Hölleninvasion der Erde konfrontiert. Und während die groteskten Monster die Städte zerfetzen erzählt ein alter Mann, dass es einen gibt, den die Dämonen fürchten, einer den er damals auf Phobos getroffen hat, kurz bevor er evakuiert wurde: Den DOOMSLAYER, der nachdem er hunderte Monster hingestreckt hatte in einem Portal verschwand. Die Protagonisten schaffen es ein Portal zu öffnen aus dem der Slayer emporsteigt und werden selbst zu Randfiguren in der Schlacht zwischen den nicht enden wollenden Monsterhorden und dem einen Marine, dessen Überlebenswille ihn zu etwas fast unmenschlichen hat werden lassen.

Das wäre mein (zugegebener maßen recht rudimentärer) Pitch für einen DOOM-Film. Ich hoffe dieses Gedankenspiel hat euch genau so sehr Spaß gemacht wie mir.