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Jan 21

Wie man bei den Oscars gewinnt

OscarEs ist wieder einmal Oscar-Saison! Ich bin ja nicht immer ein großer Fan der Academy, denn meist würde ich komplett anderen Filmen Preise verleihen als diese Filmfritzen in Hollywood und so mancher mit Goldmännchen überschüttete Streifen ist ein zähes und langatmiges Stück Celluloid. Doch obwohl mir da bestimmt viele Zustimmen werden, bleibt der Einfluss und das Ansehen, der diesen größten aller Filmpreise innewohnt ungebrochen. Heute werde ich euch erzählen, wie ihr, falls ihr jemals das Glück haben solltet Filme im großen Maßstab zu produzieren, einen oder mehrere Oscars zu gewinnen! Ich habe die typischen Nominierungskriterien der Verleihung durchschaut und möchte euch an meinen Erkenntnissen teilhaben lassen. Lustiger Weise kann man die meisten Kriterien mit Hilfe der Komödie und Hollywoodparodie „Tropic Thunder“ erklären! Alles was Robert Downey Jr.’s Figur Kirk Lazarus in diesem Film sagt sollte eure Bibel sein, wenn ihr einen Oscar nach hause nehmen wollt! Falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, dann schwingt gefälligst euren Arsch und seht ihn an, der ist verflucht lustig!

Hier sind meine 5 Tipps, die natürlich ab besten funktionieren, wenn man sie miteinander kombiniert:

1. Das Genre: Drama, Historisches Drama bzw. Biopic
Ihr wollt mit einem Action-, Horror- oder Sience-Fiction-Film gewinnen? Ja, das ist möglich, aber eigentlich die Ausnahme. Wenn ihr auf ein sicheres Pferd setzten wollt, dann braucht ihr ein Drama mit mindestens einer Szene in denen sich die Hauptfiguren mit Tränen in den Augen gegenüberstehen! Am besten wirkt dies natürlich, wenn die dramatische Handlung auf wahren Begebenheiten basiert. Dafür gibt es unzählige Beispiele, es vergeht eigentlich kaum ein Jahr in dem nicht mindestens ein Film der eine „echte“ Geschichte erzählt eine Auszeichnung erhält. Ob es nun das bewegte Leben eines Musikers ist, eine Story über Apartheit, der zweite Weltkrieg oder Vietnam – das zieht immer die Aufmerksamkeit der Academy auf sich! So war auch der Plan von Ben Stiller’s Figur in Tropic Thunder, die endlich den Oscar mit einer Verfilmung über einen Helden aus den Vietnamkrieg gewinnen wollte und Kirk Lazarus machte genau aus dem Grund bei dem Streifen mit!

2. Männliche Hauptrolle: Körperliches oder geistiges Gebrechen, Sucht, Homosexualität
Wenn du Superman spielst wirst du nie ein Goldmännchen in deinen Händen halten, die Hauptfigur braucht ein „Handycap“, etwas durch das er in der Gesellschaft aneckt. Ich gehe gleich zu Robert Downey Jr. und seinem Kirk Lazarus, der die wohl bekanntesten Worte des Films spricht: „Never went full retard“ – „Spiele nie einen total Behinderten!“ Okay, das ist natürlich nicht wirklich politisch Korrekt ausgedrückt, aber seine kleine Unterhaltung aus dem dieses Zitat stammt bringt trotzdem ziemlich genau auf den Punkt, für was die Preisrichter gerne einen Oscar abdrücken! Und das sind Rollen in denen Männer mit einer Behinderung, einer Krankheit oder auch einer Sucht über sich hinauswachsen und trotz dessen etwas großartiges Erreichen ODER eben Männer, die wegen ihrer Sexualität diskriminiert werden und ihren eigenen Weg finden. Ob es nun ein stotternder König, schwule Cowboys, blinde oder süchtige Musiker oder eben Forrest Gump ist – solange man es nicht zu bunt treibt und der Figur eine Eigenschaft gibt in der sie über alle anderen triumphiert gibt es Gold als Belohnung! Auch Kirk Lazarus in „Tropic Thunder“ hat einen seiner Oscars als homosexueller Mönch gewonnen.

3. Weibliche Hauptrolle: Frauen in Männerdomänen und Machtpositionen
Für das hübschere Geschlecht gibt es ausnahmsweise keine Weisheit aus Tropic Thunder, dafür aber die Gewissheit, dass man mit Emanzipation Oscars gewinnt! Es ist einfach so, dass die Academy anscheinend Frauen mit Einfluss in ihren Filmen schätzt. Es gibt zum einen eine schiere Unzahl an Filmen über Königen und Prinzessinnen, die bei den Verleihungen abräumen und nicht zuletzt gibt es auch die Filme mit Frauen, die sich selbstlos einsetzten um Gesellschaftliche Probleme zu lösen oder sich aus den Fesseln einer männlichen Unterdrückung befreien! Sobald im Film ein großkotziger Kerl zuerst selbstgefällig über eine Dame lächelt und dann von ihr besiegt oder übertrumpft wird, schaut die Academy auf!

4. Gimmicks: „ungewöhnliche“ Filmtechniken und radikale Körperveränderung
Wenn die Academy eins liebt, dann ist es, wenn ein Filmemacher oder ein Schauspieler aufs ganze geht und etwas unkonventionelles präsentiert. Das kann eine künstlerische Entscheidung sein, wie z.B. den Film in schwarz/weiß zu drehen, oder sogar im 21. Jahrhundert einen Stummfilm zu machen. Das ist ungewöhnlich, darüber kann man in der Presse reden. Beliebt sind Filme mit unverständlichen LSD-Trip-artigen Sequenzen, die dem Film etwas abstrakter und optisch auffallender machen sollen. Der beliebteste und erfolgreichste Clou der letzten Jahre war jedoch die radikale Umgestaltung des Hauptdarstellers! Wenn sich der Schauspieler auf ein gefährliches Gewicht herunter hungert um einen Totkranken oder sich eine wunderschöne Schauspielerin von dank Filmmaske in eine hässliche Massenmörderin verwandelt dann würde ich das als werbekräftiges Gimmick ansehen, das einen größere Chancen bei den Oscars einbringt. Kommen wir so wieder zum Film Tropic Thunder und Robert Downey Jr., dessen Figur im Film eigentlich ein weißer australischer Schauspieler ist, der sich für den Film in dem er mitspielen will mit aufwendiger medizinischer Behandlungen optisch zu einen Afroamerikaner umbasteln lässt. Gut, dass würde als ziemlich rassistisch rüberkommen, worin ja auch der Witz des Films liegt, aber im Grunde ist genau das Oscarfutter! Im aktuellen Oscarrennen befindet sich der Film „Boyhood“, der über Jahre gedreht wurde um die Pubertät und das Erwachsenwerden eines Jungen mit nur einem Schauspieler zu zeigen – typischer Fall von Gimmickfilm, der bestimmt nicht leer ausgehen wird.

5. Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen
Es mag sich doof anhören, aber der beste Weg einen Oscar zu bekommen ist schon ein paar Oscars zuhause auf dem Kaminsims stehen zu haben. Fragt Daniel Day-Lewis oder Maryl Streep, die bekommen für so gut wie jeden Film bei den sie mitmachen eine Nomminierung. Manche Schauspieler und Filmemacher stehen nun mal einfach in der Gunst der Academy und ihre Werke werden stets wertgeschätzt. Natürlich sind dass auch Profis, die ihre Arbeit richtig gut drauf haben, aber ich glaube, wir haben es auch viel mit simpler Sympathie und Markenwert zu tun. Also kneift ab sofort die Arschbacken zusammen um einen Oscar zu gewinnen, dass ihr in Zukunft ständig Oscars gewinnen könnt!
Ich hoffe ihr könnt etwas mit meinen Tipps anfangen und vergesst später nicht mir bei eurer Dankesrede zu danken (Damit meine ich auch dich, Leo)! Verdammt, ich hab jetzt irgendwie Lust „Tropic Thunder“ anzusehen….

 

 

3 Pings

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