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Jun 28

„WONDER WOMAN“ Review

Der Comicverlag DC versucht nun bereits seit 2013 gemeinsam mit dem Filmstudio Warner Bros ein Filmuniversum für ihre Comicfiguren zu schaffen, so wie es Marvel mit immensen Erfolg bereits betreibt. Allerdings waren die drei bisherigen Filme des DCEU (DC Extended Universe) “Man of Steel“, “Batman v Superman: Dawn of Justice” und “Suicide Squad” allesammt Enttäuschungen. Eines der größten Probleme ist, dass Warner Bros mit diesen Comicverfilmungen Laufen möchte, bevor sie das Gehen gelernt haben. Wären Figuren wie Batman und Superman nicht so dermaßen populär wäre das Projekt DCEU bereits gestorben. Aber es gibt Hoffnung. In Form von Wonder Woman, die nun ENDLICH auch einmal einen großen, eigenen Kinofilm bekommt. Ich verstehe nicht wieso das so verdammt lange gedauert hat. Wonder Woman ist zusammen mit Batman und Superman die profitabelste Figur im Raster von DC-Comics. Die Lassoschwingende Dame ist zudem ohne Zweifel die mit Abstand bekannteste und beliebteste Superheldin überhaupt. Und trotz all dem war es seit der Wonder Woman Fernsehserie aus den 70ern verblüffend still um etwaige Filmadaptionen. Gut, dass sich das nun geändert hat. Nachdem also Gal Gadot als Wonder Woman ihren ersten Auftritt bereits im durchwachsenen “Batman v Superman” feierte, können wir nun sehen, ob sie auch einen großen Blockbuster alleine tragen kann. Kommen wir zur Story der Comicverfilmung “Wonder Woman”:

wonder-womanAuf der paradisischen Insel Themyscira lebt das Volk der Amazonen völlig abgeschottet vom Rest der Welt und hält sich stets bereit den Kampf gegen den Gott des Krieges Ares aufzunehmen. Eines Tages sieht Diana, die junge Prinzessin der Amazonen ein ungewöhnliches Vehikel vor der Küste der Insel abstürzen. Sie springt ins Meer und rettet Steve Trevor, einen britischen Piloten, der auf der Flucht vor deutschen Soldaten ist. Trevor berichtet den Amazonen vom ersten Weltkrieg und den verhängnisvollen neuen Waffen, die das deutsche Kaiserreich einsetzen wird, wenn er sie nicht aufhält. Davon überzeugt, dass nur der Kriegsgott hinter einem derartigen Krieg stecken kann, entschließt sich Diana zusammen mit Steve ins von blutigen Gefechten und Schützengräben durchzogene Europa zu reisen und dem Krieg ein Ende zu bereiten. Steve möchte hierbei eher den fanatischen deutschen General Ludendorf und die Produktion seines neuen, tödlichen Gases aufhalten, während Diana fest davon überzeugt ist an der Front auf Ares höchstpersönlich zu treffen und durch seinen Tod das Gemetzel stoppen zu können.

Ich hätte es fast nicht für möglich gehalten, aber „Wonder Woman“ ist tatsächlich gut! Endlich hat das DCEU einen guten Film vorzuweisen! Und das hat viel mit der Darstellung der Titelheldin zu tun. Gal Gadot macht ihren Job grandios. Diana ist eine sehr sympathische und charismatische Figur. Einerseits ist sie bewundernswert, da sie nicht nur körperlich, sondern auch emotional stark ist. Eine ehrenhafte Kriegerin, die davon angetrieben wird, dass sie den Menschen helfen möchte. Andererseits hat sie eben auch Makel, wie ihre etwas naive Weltanschauung. Sie ist in ihrer Mission Ares zu finden vielleicht ab und an einen Ticken zu stürmisch aber dies ist alles Teil ihrer Charakterentwicklung. Es ist so erfrischend – vor allem in einem DC-Film – einen Helden zu sehen, der die Menschen beflügelt und aufmuntert. Tatsächlich waren meiner Meinung nach die besten Szenen in „Wonder Woman“ die in denen sich Diana mit ihren Verbündeten anfreundete und die in denen Steve ihr deutlich überfordert versucht die Welt zu erklären. Ich glaube kaum, dass ich das hier bei einem Film tippen kann, der zum selben Franchise wie „Man of Steel“ gehören soll. Ich meine, die Action ist cool, vor allem als Diana alleine aus einem Schützengraben steigt und sich der geballten Feuerkraft des deutschen Kaiserreichs stellt, aber tatsächlich liegt die Stärke des Films in seinen menschlichen Momenten, die dann auch als emotionales Fundament für die Actionszenen fungieren und diesen dadurch um so mehr Gewicht geben. Aber warum triumphiert Wonder Woman wo die restlichen DC-Filme der letzten Jahre versagen? Erstmal hat der Film eine gute Balance zwischen den farbenfrohen, friedlichen Momenten und dem dramatischen Kriegsschauplätzen. Wenn nicht alles grau in grau und düster ist, dann stechen die tragischen Momente viel besser hervor. Das Setting im Ersten Weltkrieg ist nicht nur unverbraucht, sondern funktioniert auch ideal als Umgebung um Wonder Womans Charakter zu formen. Der Film hat etwas Humor, aber nicht zu viel um vom Ernst der Lage abzulenken. Was dem Film viel hilft ist, dass er anders als „Batman v Superman“ sehr abgekoppelt von den restlichen DC-Filmen ist und darum seine eigene, vollständige Geschichte erzählen kann, ohne die Grundlage für zig Sequels und Spin-Offs legen zu müssen. Und anders als bei den Mördervarianten von Superman und Batman wird in Wonder Woman die Titelfigur von den Leuten hinter der Kamera verstanden. Es war klug Allan Heinberg das Drehbuch schreiben zu lassen, einem Comicautor der bereits die Feder für die Justice League und Wonder Woman schwang. Zudem holte man sich mit Patty Jenkins eine Regisseurin an Bord die mit „Monster“ bereits mit Erfolg bewies dass sie großes Drama inszienieren kann, aber auch im Comedysektor bei Serien wie „Arrested Development“ überzeugt. Jenkins erzählt die Wonder Woman Story mit ihren eigenen, der Figur entsprechenden Stil ohne Christopher Nolan zu imitieren, oder Elemente aus anderen, gerade erfolgreichen Filmen kopieren zu wollen. Wie ihr merkt bin ich äußert zufrieden mit Wonder Woman, aber man muss mir nicht das Messer auf die Brust setzen damit ich auch etwas kritischere Töne über den Film von mir gebe. An vielen Stellen sind die Computereffekte überdeutlich, was vom Film ablenkt – besonders während der etwas zu häufigen Zeitlupen. Das Finale war, trotz einiger emotionaler Komponenten etwas wirr und unlogisch und die Antagonisten im Film sind leider eindimensional und eine Spur zu kitschig – vor allem wenn sie große Monologe vortragen. Im großen Ganzen funktioniert Wonder Woman jedoch großartig und macht einem Hoffnung auf weitere Abenteuer unter dem Banner des DC-Verlags.

 

Mein Fazit: 7 von 10 Göttertöter

Wonder Woman ist ein abwechslungsreiches Actionabenteuer und ein Superheldenfilm nach allen Regeln der Kunst. Das Finale hat mich nicht auf allen Ebenen überzeugt und nicht alles machte zu 100% Sinn, aber der Film ist gut genug um einen über seine kleinen Verfehlungen hinwegsehen zu lassen. Rein objektiv betrachtet verdient Wonder Woman vielleicht nicht den vollen Umfang des Hypes, aber bei Zeus, ich gönne es den Film. Für alle kleinen Mädchen, die eine neue Filmheldin haben können, zu der sie aufsehen können, für alle Comicnerds, die sich nun endlich einig sein können, dass sie es mit einem guten DC-Film zu tun haben und für Wonder Woman selbst, die nach 76 Jahren Comicbuchgeschichte einen Film bekommt, der ihrer würdig ist.