«

»

Jul 18

“YOJIMBO – DER LEIBWÄCHTER” (1961) Review

Ich wollte mir schon seit einer gefühlten Ewigkeit ein paar alte Samuraifilme auf meiner Seite vorknöpfen. Und für dieses Genre, von dem sich westliche Filmemacher so gerne inspirieren lassen, gibt es kaum einen besseren Startpunkt als “Yojimbo” vom legendären Regisseur Akira Kurosawa. Ihr wisst ja wie es bei mir läuft: Zuerst Handlungszusammenfassung und dann Meinung – los geht’s!

yojimbo-reviewDie Story spielt Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, kurz vor Ende der Edo Periode. Während der Westen bereits von Schusswaffen und Lokomotiven beherrscht wird, ist Japan noch tief in der Tradition und Schwertkampf verwurzelt. Ein herumstreifender, gesetzloser Ronin kehrt in eine kleine Stadt ein. Dort herrschen raue Zeiten. Ushitora der Sakebrauer und Seibei der Seidenhändler liegen sich in den Haaren, und da beide eher Gangsterclans als Geschäftsmänner sind, gleicht das Dorf eher einem Kriegsgebiet. Der Ronin, der nicht so wirklich mit seinem Namen rausrücken will, quartiert sich bei einem örtlichen Wirt ein, bechert ein paar Sake und beschließt sich einer der Familien als Leibwächer anzubieten. Seine Schwertkampfkunst stellt er sofort unter Beweis, in dem er ohne Mühe drei der Gangster im offenen Kampf tötet. Was die Gangster beider Familien jedoch noch nicht ahnen ist, dass der einsame Ronin vor hat sie beide gegeneinander auszuspielen.

Kann es sein, dass euch diese Handlung irgendwie bekannt vorkommt? Vielleicht aus einem Clint Eastwood Film? Das ist kein Zufall, den nur drei Jahre nachdem Yojimbo in den japanischen Kinos lief, erschien “Für eine Hand voll Dollar” von Sergio Leone. Dieser Streifen hat nicht nur den Siegeszug des Italowesterns eingeläutet und Clint Eastwood zu einem Star gemacht – nein, es war außerdem ein vollkommen offensichtliches Plagiat von Yojimbo. Natürlich ging der Rechtsstreit etwas hin und her, aber man einigte sich schließlich außergerichtlich, wodurch Kurosawa ordentlich Geld einsackte. Beide Filme sind sich so ähnlich, dass man prinzipiell beide kennt, wenn man einen angesehen hat. Der von Toshiro Mifune gespielte Ronin in der Hauptrolle, strahlt die gleiche harte, Coolness aus wie wir sie auch von einem Clint Eastwood kennen, was ihn zum absoluten Stammschauspieler Kurosawas machte. Während Mifune, der zur erhabenen Riege meiner Lieblingsschauspieler zählt, den harten Hund mimt, hat er mit mit dem von Tatsuya Nakadai gespielten Unosuke einen toughen Gegenspieler im Film, der nicht nur eben so gerissen wie der herumstreifende Ronin ist, sondern mit seinem Revolver auch noch auf Distanz gefährlich ist. Als Nebendarsteller ist auch noch der pummelige, Handlanger Unosukes mit der Monoaugenbraue zu erwähnen, der als herzlich grummelig, doofer Brutalo etwas Humor in die Geschichte bringt. Ansonsten hat man es mit einem beinharten Film zu tun, der sowohl Dramatik und auch Action inne hat, dies aber auf eine (zumindest für die Zeit aus der der Film stammt) sehr rohe weise.

Mein Fazit: 8 von 10 Flaschen Sake

Das ein so talentierter Regisseur wie Leone Yojimbo fast 1:1 kopierte ist kein Zufall, denn Kurosawa hatte da einen erstklassigen Streifen gedreht. Von mir eine klare Empfehlung, für alle, die mal die Zehenspitze in das Samuraigenre tauchen wollen und auch Leuten, die gefallen an Italowestern finden.